Anwälte, die Illuminaten der Neuzeit

Anwälte sind gierig, böse und überflüssig – oder?

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illuminatenMeine Oma hat sich für meine Staatsexamina nicht besonders interessiert, aber als ich die Zulassung zur Anwaltschaft hatte, war sie stolz wie Oskar. Der Bürgermeister, der Lehrer, der Dorfpfarrer und der Anwalt waren früher die angesehenen Persönlichkeiten im Dorf.

Das Bild hat sich in den vergangenen Jahren scheinbar massiv gewandelt. Politiker stecken eh nur in die eigene Tasche, Lehrer denken nur an die Ferien und wenn sie keine haben, sind sie krank, Pfarrer werden mehr mit Pädophilie als mit der Sonntagsmesse in Zusammenhang gebracht und die Anwälte sind inzwischen Abzocker und überbezahlt. Nicht nur das, inzwischen werden wir den Stasi Mitarbeitern der ehemaligen DDR gleichgestellt.

Wahrscheinlich haben wir in einigen Teilen der Bevölkerung schon den Rang eines Geheimbundes inne, der sich der Zementierung und Verbreitung des Unheils verschrieben hat.

Das RVG und der Anwaltszwang sind unsere Schutzmauern. Weg damit, hat eh keinen Nutzen für den Bürger. Das Stundenhonorar der meisten Anwaltskanzleien ist auch übertrieben hoch. Eigentlich braucht kein Mensch Anwälte, das kann man ja alles selber machen. Quasi wie bei Hornbach – Deutschland ein Land der Heimrechtler. Diesen Eindruck vermitteln einige Kommentare zu einem Posting des Kollegen Nebgen. Das IKEA-Prinzip nimmt seinen Lauf.

Es gibt sicherlich Verfahren, bei denen ein Anwalt nicht zwingend notwendig ist. Ein Gerichtsverfahren unterliegt nun einmal vielen Formalien, die in den meisten Fällen auch ihren Sinn haben. Diese Formalien und das materielle Recht, insbesondere wenn es sich um Spezialmaterien handelt, kann sich ein Nichtjurist in seltensten Fällen mal nebenbei so draufschaffen. Der Großteil der Bevölkerung hat Familie, einen Job, Hobbies und keine Zeit und Lust sich in die Tiefen der Juristerei zu begeben. Da muss man schon besonders streitbarer Natur sein, um sich das zu seinem Hobby zu machen.

Einen Husten kann ich auch selbst behandeln, eine OP am offenen Herzen überlasse ich doch dann lieber dem Fachmann. Dass der Herzchirurg keine 9,50 EUR die Stunde verdient, sollte nachvollziehbar sein.

Über Tobias Röttger

Beruf: Rechtsanwalt für Urheber-, Medien- und Persönlichkeitsrecht | Leidenschaften: Musik, Design, Foto, Reisen und Natur

11 Kommentare
  1. Bert Grönheim sagt:

    Ich muss seit 30 Jahren immer wieder beruflich Anwaltskanzleien beauftragen. Selbst wenn ich in Erwägung ziehe, daß ältere Mitbürger die Vergangenheit verklären und sich mit neuen Entwicklungen schwer tun, ergibt sich für mich folgende Liste von Punkten, die mich bei Anwälten – inzwischen verstärkt auch bei älteren Semestern – immer wieder in die Glaubenskrise treiben; wobei ich mich auf die highlights beschränke. Euphorische Einschätzung der Erfolgsaussichten eines Verfahrens. Scheinbar seit dem Examen nichts mehr dazugelernt. Kopien von Schriftsätzen spät weitergeleitet oder gerne gesehen, zwar schnell weitergeleitet, aber selbst noch nicht gelesen, so daß man als Mandant einem praktisch nicht vorbereiteten Anwalt gegenübersitzt und ihm beim lesen zuschauen darf. Informationsgespräche, nach denen trotzdem Informationen im späteren Schreiben oder Schriftsatz untergehen und auch auf Nachfrage nicht mehr präsent sind. Abrechnung von Stundenhonoraren, in denen selbst das Eintüten eines Briefs 2 Stunden gedauert haben soll. Gerichtstermine, bei denen der Anwalt den Eindruck erweckt, er sehe die Akte das erste Mal. Ich habe inzwischen für verschiedene Aufgabenstellungen gute Anwälte an der Hand. Nur, glauben Sie mir, als ich anfing zu suchen, hatte ich noch blonde Haare, jetzt bin ich silbergrau. Der Trend zu Riesenkanzleien in 1a Lagen mag ja für die dort Tätigen erfreulich sein. Ich habe weiterhin Einzelpraxen in eher unauffälligen Stadtteilen am Start, bei denen der Anwalt erfolgshungrig ist, auch mal Stellung bezieht und abrät oder eine andere Richtung vorschlägt. So fädelt man langjährige Beziehungen zu Mandanten ein.

    • Tobias Röttger sagt:

      Hallo Herr Grönheim, es gibt sicher solche und solche Anwälte. Das ist wie mit Ärzten und Handwerker, man kam immer wieder mal Pech haben. Ich wehre mich mit meinem Posting nur dagegen, dass eine komplette Berufsgruppe verteufelt wird.

  2. Rolf Schälike sagt:

    Bei Gericht entscheiden Richter. Das sind Fachleute auf dem juristischen Gebiet. Die Richter könnten in vielen Fällen durchaus den Anwalt ersetzen.

    Allerdings müssten Richter nicht das unbedingte Ziel haben zu verurteilen und unwahren Vorträgen unbedingt glauben. Die Richter könnten mehr der Wahrheit dienen und nicht der Erarbeitung eines Urteils.

    Wozu die zwangsweise Zwischenstufe Anwalt? Mehr Öffentlichkeit könnte durchaus in vielen Fällen Anwälte ersetzen, weil Richter in der Öffentlichkeit bessere Arbeit leisten. Heute können sich die Richter hinter den Anwälten verstecken. Richterhaftung ist ebenfalls angesagt.

    Insoweit kann auch einem Nichtjuristen Fachkompetenz im Gerichtsverfahren im Prinzip gesichert werden.

    Es geht um den Anwaltszwang, nicht darum, dass Anwälte nicht gebraucht werden. Entscheiden sollte allerdings der Mandant, nicht das lebensfremde, herrschaftssichernde Gesetz.

    Es geht auch um die Kosten der Mandanten bei Gerichtsverfahren, die nicht erstattet werden, wenn Klagen unberechtigt sind. Die Anwälte werden immer bezahlt.

    Die gesellschaftlich notwendige Arbeit der Mandanten wird nicht honoriert. Aus ähnlichen Gründen ging die DDR zu Grunde. Notwendige Arbeit wurde nicht bezahlt, deswegen oft gar nicht geleistet. Unnötige Arbeit wurde in der DDR geplant und bezahlt. So kann eine Wirtschaft nicht funktionieren. Ein Zusammenbruch ist vorprogrammiert.

    • Tobias Röttger sagt:

      Ich bezweifle sehr, dass Ihr Vorschlag, die Anwaltschaft abzuschaffen und die Aufgaben den Richtern zuzuweisen, Aussicht auf Erfolg hat. Wir haben einige Mandanten vertreten, die es im ersten Rechtszug selbst versucht haben und böse auf die Nase gefallen sind. Der Richter hat primär die Rolle eines neutralen Schiedsrichters. Wie soll das aussehen, wenn er beiden Parteien Tipps für die Verhandlung geben soll? Da ist die Schreierei schon vorprogrammiert. Jeder der ein Verfahren verliert, wird es daran festmachen, dass der Richter die andere Partei bevorteilt hat und ihm nicht die notwendigen Informationen gegeben hat.

  3. Prof. Rammel sagt:

    Wir ordnen und befehlen hiermit allen Ernstes, daß die Advokaten wollene schwarze Mäntel……….damit man die Spitzbuben schon von weitem erkennt.

  4. Dr. Heinz Kracht sagt:

    Die Kritik ist (leider) oft berechtigt. Es liegt an den Anwälten selbst, das schlechte Image zu verbessern. Nicht leicht bei viel zuviel Rechtsanwälten in Deutschland. Da hilft nur gutes Arbeiten und den Mandanten freundlich und korrekt behandeln. Packen wirs an !

    • Tobias Röttger sagt:

      Sehr geehrter Kollege, ich gebe Ihnen recht, dass es sicherlich auch einige schwarze Schafe gibt. Ich aknn mir gut vorstellen, dass die Servicewüste Deutschland auch nicht immer Halt vor den Anwälten macht. Unfreundliches Auftreten gegenüber dem “kleinen” Mandanten können sich auch nur die Kanzleien leisten, die feste Einnahmequellen wie dauerhafte Firmenmandate haben. Ich persönlich versuche dort keine Unterscheidung zu treffen. In dem heutigen Wettbewerb kann man sich das auch gar nicht leisten. Schlechtleistung und Unfreundlichkeit verbreitet sich wie ein Lauffeuer über das Internet. Ich selbst bin auch immer wieder froh, wenn ein Arzt keine Unterscheidung zwischen Privat- und Kassenpatient macht. Auch wenn das viel zu selten vorkommt.

  5. Der Illuminatus mit dem Lexikon(in dem auch die Bedeutung von Symbolen richtig erläutert ist) sagt:

    Du hast was gegen Anwälte, ich auch!
    Aber warum bei den Göttern zeichnest du ein Heiliges Zeichen für sie(pentagramm)?

    • Tobias Röttger sagt:

      Hallo Illuminatus,

      dieser Artikel hat einen gewissen ironischen Unterton. Ich habe nichts gegen Anwälte, ich bin selbst Anwalt. Das umgedrehte Pentagramm ist für viele Leute ein Symbol des Bösen.

  6. Der Illuminatus mit dem Lexikon(in dem auch die Bedeutung von Symbolen richtig erläutert ist) sagt:

    Oh, na so war’s ja nicht gemeint!

    Aber ich ich musste schon zum 23. Mal (kein Witz) darauf hinweisen, daß das Pentagramm von den Satanisten GEKLAUT wurde!(Ganau wie Die Nazis die Swastika geklaut haben)

  7. Justizfreund sagt:

    >Diese Formalien und das materielle Recht, insbesondere wenn es sich um Spezialmaterien handelt, kann sich ein Nichtjurist in seltensten Fällen mal nebenbei so draufschaffen.

    Aber manchmal doch wobei es dabei noch um relativ schlappes Recht geht:
    http://blog.justizkacke.de/?p=291

    >Bei Gericht entscheiden Richter. Das sind Fachleute auf dem juristischen Gebiet. Die Richter könnten in vielen Fällen durchaus den Anwalt ersetzen.

    Wenn dem so wäre, dann sind viele Richter über alle Ohren verlogen und nochmals in Rechtsbeugerei verlogen.
    Ich habe so viel dumme und dümmste Richter erlebt das man es kaum ertragen kann und der nächste ist dann auf einmal gleich dumm, weil der Kollege abgedeckt werden muss.

    Und gegen freundlichaftliche Kumpanei ist dann ohnehin kaum ein Kraut gewachsen:
    http://blog.justizkacke.de/?p=2969

    In vorstehenden Artikel stiess der Prolet auf dem Fachgebiet bei der Kammer für Handelssachen am Landgericht allerdings auf wesentlich weniger Inkompetenz bei den Richtern.
    Das wandelte sich allerdings als der Prolet gleiche EV-Anträge ohne Anwaltsbriefkopf beim Landgericht kostengünstiger für die Gegenseite einreichte. Es trat im Ansehen des niederen Proleten aufeinmal in allen diese Fällen mit gleichen Anträgen eine vollständige Inkompetenz ein.
    Eine Begründung am LG-Bückeburg und am OLG-Celle erfolgte dergestallt, dass bei Bürgern, die selbst Schriftstücke beim Gericht einreichen hypothetisch angenommen werden muss, dass die Schriftsätze fehlerhaft sind und der Prolet damit also keine Rechte begründen kann.

    Am OLG gibt es gerne 10 Kammern für verschiedene Rechtsgebiete, die dann gerne mal von 3 Richtern bearbeitet werden (In der Regel ist es aber nur ein Richter, da man sich die Arbeit aufteilt. Selbst am BGH wo es 10 Richter sein sollen, hat man schon mal das 4 Augen Prizip in Gefahr gesehen). Um so mehr Zeit brauchen die Richter insbesondere ab OLG aufwärts im Durchschnitt für Nebentätigkeiten.

    Diese Rechtsgebiete muss am Amtsgericht ein einziger Richter bearbeiten.

    Dazu hat der gar keine Zeit. Erledigungsziffer ist Beförderungskriterium.

    Manchmal haben Menschen aber das Glück, dass die geltend gemachten Rechte den Allgemein geltenden Alltagsweissheiten und Stammtischwahrheiten entsprechen.

    Richter am BGH Wolfgang Neskovic: ZAPHeft 14/1990, S. 625.
    … Das Fortbildungsinteresse von Richtern ist schwach ausgeprägt und nur dann zu fördern, wenn ein .anständiges’ Beiprogramm die Mühseligkeit der Fortbildung versüßt. Insbesondere sozialwissenschaftlichen, psychologischen und kriminologischen Erkenntnissen begegnet die Richterschaft in ihrer überwiegenden Mehrheit mit erschreckender Ignoranz und greift statt dessen lieber auf Alltagsweisheiten und Stammtischwahrheiten zurück.

    Einen Anwalt braucht man in der Justiz insbesondere, weil man dann die Rechte als Mensch geltend machen kann, die dem Anwalt im Ansehen seiner Person in der Justizhierachei zustehen.
    Gerichtskostenerstattungen in gewonnenen Verfahren sind dazu dar um Anwälte zu privilegieren und nicht für eine Leistung:
    http://blog.justizfreund.de/?p=5107
    Ansonsten erhält man als Prolet sogar um so weniger Rechte bei Richtern je mehr man sich rechtlich auskennt, weil die Hackordnung gewahrt werden muss und es sich bei Gericht um hochelitäre hochwissenschaftliche Personen handelt und beim Bürger um dumme Proleten, die das gar nicht verstehen können was Juristen machen.
    Je mehr man also rechtlich kann als Prolet um so grösser die Beleidigung für viele Juristen gerade im Staatsdienst. Wenn diese einen Dr. Titel haben wird es noch schlimmer und dann kann es sogar sein, dass man zum Psychologen geschickt wird um über eine Betreuung mundtod gemacht zu werden.

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