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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Man ist Inhaberin von Markenrechten, tritt nach außen hin als Aktiengesellschaft auf und wähnt sich als Protagonist in einer europäischen Finanzmetropole. Zwar nur als Fussballverein, aber immerhin. Der Name: Eintracht Frankfurt AG. Dieser Verein, der mittlerweile wieder erstklassig spielt, hat nun den Betreiber eines Eintracht Fanblogs mit dem Namen „Adlerblog“ wegen eines markenrechtlichen Verstoßes abgemahnt. Der Blogbetreiber erklärt:

Im Rahmen dieses Blogs wurden T-Shirts und Gegenstände mit eigenen Motiven und Motiven für den Podcast über Spreadshirt verkauft. 41 an der Zahl. Auf Einigen wurden Bezeichnungen verwendet, zu denen die Fußball AG des Vereins dem der Blog gewidmet ist, die Markenrechte besitzt. Das nennt man rechtlich Markenrechtsverletzung und traf auf 32 Verkäufe zu. Damit sollten die Kosten für den Webserver und die Domain wieder reingeholt werden. Effektiv sind 60,48€ “in die Kasse gekommen”. Bei Kosten von 15€ im Jahr für die Domain und 12€ im Monat für den Server kann man aber insgesamt nicht von Gewinn redenAbmahnung Eintracht Frankfurt AG

Es folgte eine Abmahnung der Eintracht Frankfurt AG über einen Rechtsanwalt. Vorwurf: Markenrechtsverletzung. Da der Markenrechtsverstoß wohl unstreitig sein dürfte, muss der Blogbetreiber nun Anwalts- und Abmahnkosten von nahezu 2.000 Euro zahlen. Die Fans und Anhänger des Blogs sind aufgebracht, dass der Verein nicht in der Lage war, diesen „Fehler“ auf dem kleinen Dienstweg zu beseitigen. Der erlittene Imageschaden dürfte für den Verein nun ungleich größer sein als der markenrechtliche Schaden.

In diesem Zusammenhang stellt sich zwangsläufig die Frage, ob eine Selbstschädigung durch eine markenrechtliche Abmahnung möglich ist. Ich denke ja.

Interessant: Am 01.Juni 2012 nahm Axel Hellmann – ehemals in der Kanzlei Winterstein Rechtsanwälte tätig – seine Arbeit als Vorstandsmitglied bei der Eintracht Frankfurt AG auf. Hellmann ist dort  nach Angaben der Eintracht Homepage für die Geschäftsbereiche Finanzen, Personal, Ticketing, Merchandising und weitere operative Aufgaben verantwortlich. Die Kanzlei Winterstein Rechtsanwälte ist uns seit Jahren dadurch  bekannt, dass sie oftmals standardisierte Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen im Textilbereich auch gegen Privatpersonen aussprechen.

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Kommentar

  1. Ich kann das gar nicht nachvollziehen. Da wird glasklar gefälscht und der Name missbraucht und es wird so getan als hätte man nix Böses gemacht. Dann noch so tun als wollte man gar kein Geld machen, sondern nur den Server bezahlen. Die Euros hat man dann nicht zusätzlich in der Tasche oder wie?

    Ich finde es sehr schwach hier denjenigen schlecht reden wollen, die gegen ein glasklares Vergehen sauber und rechtlich(!) vorgehen. Und dann noch das Unschuldslamm spielen. Schwach, sehr schwach!

    • Der Verstoß gegen das Markenrecht ist unstreitig. Dennoch bin ich der Auffassung, dass dem Verein durch die Art und Weise der Verfolgung des Markenrechtsverstoßes ein größerer Schaden zugefügt wurde als durch die Aktion des Blogbetreibers.

  2. Dann lieber auf dieses lustige Angebot eingehen, damit die Eintracht auf den Kosten sitzen bleibt und damit man anderen Menschen zeigt „Hey, fälscht was das Zeugs hält. Wenns ihr erwischt werdet, dann braucht ihr nur bissl was spenden, ein wenig Mitleid erregen und gut ist. Wir zahlen schon.“ Ihr habt ja einen Sinn für Gerechtigkeit. Aber das war ja schon mit der Überschrift klar. Denn nicht Anwaltskosten zerstören den Blog, sondern der Blogger, der statt zu bloggen Kohle mit fremden Markennamen machen wollte.

  3. Die aggressivität des Komentares ist nicht wirklich überraschend, schlieslich befindet man sich im Internet.
    Ich muss Herrn Gulden zustimmen, der Marke entsteht so ein größerer Schaden, als durch die verkauften Tshirts. Was „jay“ übersieht, ist der fakt, dass der Verein durchaus dagegen vorgehen sollte, es allerding swohl besser gewesen wäre, dass im kleinen aus der Welt zu schaffen, und nicht gleich die Artillerie darauf abzufeuern.

    Mit Kanonen auf Spatzen. Ebenso wie die Gema, erzeugt der Verein damit den Eindruck, dass die Fans bzw. der Kunde nicht interessiert, sondern nur das Geld dass dieser ausgibt. Aber das ist eben immer die Frage, existiert ein Unternehmen in erster Linie um Geld zu verdienen, oder um eine Dienstleistung für Menschen zu erbringen. Denn solange man das Geld bevorzugt, kann von einer „gerechten“ Bezahlung/Würdigung kaum gesprochen werden.

    Mit freundlichen Grüßen.

    Mit fr

  4. Es gab mal bei der SAP eine Markenrechtsverletzung durch einen Jugendlichen, der unwissend einer Software den gleichen Namen gegeben hat, wie SAP. SAP hat ihm einen Brief geschrieben, daß er den Namen bitte ändern möchte, damit man wegen Markenrechts keinen Streß bekomme. Der Nachwuchs-ITler hat sein Projekt umbenannt und damit war die Sache erledigt. SAP hat damals viel Applaus für dieses Vorgehen in der Fachpresse bekommen.
    Wenn die Eintracht sowas bei den eigenen Fans nicht ermal ohne Rechtsanwalt mitteilen kann, ist dieser Verein ziemlich arm – moralisch betrachtet. Oder hat man beim Fußball keine Moral mehr

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  • Spendenaufruf “Helft dem Adlerblog” – Tag 3 | Eintracht Frankfurt Podcast 5. Juni 2015

    […] Selbst bei anderen Anwälten stösst das Thema auf Unverständnis, wie man hier lesen kann. […]

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