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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
Outlaw: draußen unterwegs, drinnen Anwalt
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Heute Früh ist in Emden der junge Mann zu einem zweiwöchigen Arrest verdonnert worden, der im Mordfall „Lena“ zur Selbstjustiz gegen einen Unschuldigen aufgerufen hatte.justitia_04 In der Verhandlung zeigte er Reue. Er betonte, dass es ihm leid tue und er dem Opfer der Hasstiraden einen Gutschein geschenkt habe. Wohl zur Wiedergutmachung. Die Verteidigung spricht von einer inneren Aufgewühltheit des Täters. So, so. Kopfschütteln verursacht nicht der Richterspruch, wohl aber die Reaktionen im Netz, die ich zu diesem Urteil gefunden habe. Viele bekunden Sympathie für den Aufrufer zum Lynchmord, da bspw. die Polizei ohnehin nur die Täter schütze. Solche Sätze lassen vermuten, dass der nun abgeschlossene Lynchaufruf kein Einzelfall bleiben wird.

Es scheint, die Menschheit habe nichts gelernt.

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Kommentar

  1. Ich bin 51 und muss deshalb in Erwägung ziehen, daß mich meine Erinnerung trügt. Ich halte den Frust über die Gerichte (und teilweise Anwälte) und die Nähe zu Lynchjustiz nicht unbedngt für neue. Ich erinnere da an Befragungen mündiger Bürger während der Studentenunruhen in den 60er Jahren. Nach meiner Ansicht hat sich quer durch alle Gerichts- und Verfahrensarten eine gewisse Lässigkeit bei der Abwicklung der Verfahren entwickelt. Unter dem Oberbegriff der Überlastung werden Einstellungen gegen Geldbusse fast zum Automatismus, jedenfalls für die Klientel, die da mithalten kann. Der Druck, der auch auf Anwälte ausgeübt wird, sich irgendeinem Deal nicht zu verweigern, steigt. Die Gerichtskosten sind enorm gestiegen. Die Vergütung der Anwälte für Pflichtverteidigungen und PKH-Sachen tritt seit Jahren auf der Stelle und bildet kaum den realen Arbeitsaufwand ab, wenn solche Mandate sachgerecht betrieben werden. Arbeits- und Sozialgerichte können schon seit Jahren keine angemessenen Bearbeitungsfristen für Klagen sicherstellen. Das alles rechtfertigt keinen Aufruf zur Lynchjustiz. Das dürfte aber das Klima sein, vor dem diese Aufrufe entstehen. Gerichte können die Welt nicht wieder heile machen. Gerichte werden auch immer der Kreativität, mit der neue Gesetze auf ihre Möglichkeit sie zu unterlaufen von Bürgern geprüft werden, hinterherhinken. Deshalb muss die Diskussion auch „weiter unten“ ansetzen. Das Gerechtigkeitsempfinden hat schon weit vor dem Eintritt in ein Gerichtsverfahren schwer gelitten. Das muss mit in die Diskussion.

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