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Karsten Gulden
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Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
...befasst sich mit den Entwicklungen der künstlichen Intelligenz und fragt sich, ob es eine Superintelligenz geben wird.
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Gestern Nachmittag trudelt eine Email-Anfrage mit folgendem Inhalt ein:

„Guten Tag,

ich würde die Erstellung der AGB´s für eine Auktionsplattform benötigen also mein jeweiliges Rechtsverhältnis gegenüber privaten Verkäufern, gewerblichen Händlern sowie den jeweiligen Seitenbesuchern verbindlich und für mich vorteilhaft zu regeln. Ich agiere lediglich als Plattformbetreiber für Waren jeglicher Art und biete selbst aber keine Waren an. Ich hoffe Sie können mir ein attraktives Angebot machen.“stoppschild

Tenor in unserer Kanzlei: Da will wohl jemand möglichst wenig zahlen für die Erstellung umfangreicher AGBs! Wir haben dieser Person sodann geantwortet, dass wir nach Stunden abrechnen und seitdem nichts mehr gehört. Der Anfragende hatte etwa 50 Kanzleien „cc“ gesetzt. Ein schlauer Schachzug – dachte er.

Überrascht war ich dann über die erfreulichen Antworten der anderen Kolleginnen und Kollegen an den Anfragenden. Auch diese gaben dem Anfragenden sinngemäß zu verstehen, dass die Erstellung von AGBs Geld kostet. Viel Geld. Zum Teil wurde die Annahme des Mandats gänzlich abgelehnt. Hier scheinen alle an einem Strick zu ziehen. Und das ist auch gut so. Billigheimer gibt es zu Genüge.

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Kommentar

11 Kommentare

  1. wo geht aus seiner Anfrage hervor, dass er es „billig“ haben will?
    Ist es nicht legitim, sich mehrere, auch viele, Angebote einzuholen?
    Ich kann an seiner Anfrage nichts Verwerfliches erkennen.

  2. ich persönlich finde, dass es absolut in ordnung ist, vergleichsangebote einzuholen. das ist ein normales verhalten als geschäftsmann. seit wann stehen anwälte über allem? ich empfinde die reaktion auf die anfrage als zumindest arrogant. selbstverständlich muss ein angemessner preis für eine leistung bezahlt werden, aber die anfragen war sauber formuliert und nur als „anbahnung“ zu verstehen. die antwort(en) zeugen von wenig verständnis für den mandanten als kunden und als nicht-jurist erscheinen sie mir beinahe gierig. „Da will wohl jemand möglichst wenig zahlen für die Erstellung umfangreicher AGBs“ – ja selbstverständlich. ich suche mir doch nicht denjenigen, der mir die gewünschte dienstleistung möglichst teuer anbietet, sondern jemanden, der mir ein vernünftiges angebot macht.
    sorry – hier wünsche ich mir einen „gefällt mir nicht“-button für den „tenor“ in ihrer kanzlei.

    • Hallo Oli,

      ich denke nicht das es den Kanzleien darum geht die Dienstleistung besonders teuer anzubieten. Es ist doch wohl eher die Art und Weise wie die Anfrage rüber kommt.
      Für was gibt es denn eigentlich „bc“? Dann wäre die Sache doch schon ganz anders bei den Anwälten angekommen. Ich würde mich auch als Handwerker über so eine Vorgehensweise ärgern.

      Das ist doch keine öffentliche Ausschreibung, selbst bei dieser bekommen die anderen die Angebote des Konkurrenten nicht mit.

      Zumal es immer wieder seltsame Anwender gibt, die dann Antworten an alle senden und ich denke dies stört den Geschäftsbetrieb erheblich.

      Der Denkansatz, dass der Anfragende die Sache möglichst billig haben möchte, ist doch nicht falsch.
      Ich schicke mal eine Anfrage an 50 Anbieter und hoffe dadurch so einen Konkurrenzdruck aufzubauen um einen Deppen zu finden der sich schließlich unter Wert verkauft um den Zuschlag zu erhalten. Finde diese Anfrage auch fragwürdig.
      Ich würde auf so etwas auch nicht eingehen.

  3. na, und wieso werden satirische kommentare, die zwar anonym sind aber niemanden beleidigen oder verletzen bei ihnen zensiert? hilft nichts, irgendwo wird’s dann eh öffentlich, inkl. zensurvorwurf, also veröffentlichen sie meinen kommentar doch einfach…

  4. ooops, scheint technisches problem gewesen zu sein, entschuldige mich für vorherigen kommentar, hier meine ursprüngliche bemerkung:

    klienten sind schon ein unverschämtes pack, vor allem die von ihnen angeführten exemplare, die doch tatsächlich „möglichst wenig“ für eine anwaltliche dienstleistung bezahlen wollen. dabei wissen wir doch alle, daß kein normaler mensch so agiert. würden sie als anwalt die auktionsplattform des anfragenden benutzen, würden sie doch gerne auch mehr kommission als verlangt bezahlen, keine frage.

    völlig unverständlich, dieses anspruchdenken. anstatt dankbar zu sein, daß sie ihre kostbare zeit überhaupt zur verfügung stellen, und hierfür wie es ja eigentlich der normalfall ist gerne möglichst viel zu bezahlen (diese kleingewerbetreibende haben doch eh alle viel zu viel geld und verdienen doch ein vielfaches eines durchschnittlichen anwalts), will dieser eine klient doch tatsächlich im voraus wissen, was es ihn kosten würde, wenn er ihnen ein mandat erteilt. tztztz, einfach unverschämt.

    klar, natürlich wissen wir alle, daß milliarden von euro kostende jahrhundertbauwerke von bau-unternehmern regelmäßig zu einem festpreis angeboten werden, aber solche beispiele können betreffend komplexität und unvorhersehbarkeit auf keinen fall mit etwas so speziellem wie dem entwurf von agbs verglichen werden.

    zum glück gibt es da noch solidarität unter kollegen, geiz ist geil ist zwar toll, wenn sich ein anwalt im mediamarkt einen neuen pc besorgt, kommt aber bei klienten nicht in die tüte. anwälte deutschlands, wehret den anfängen und vereinigt euch im kampf gegen diese unverschämte meute. klienten sollen gefälligst auch in zukunft möglichst viel zahlen!

  5. Kein Anwalt dürfte in der Lage ist, justizsichere AGBs zu entwickeln. Denn es gibt keine AGBs ohne Unterwassersteine.

    Anwälte sind nicht in der Lage, eindeutuge Mandate bzw. Aufträge zu übernehmen. Deswegen die vereinigende kollektive Absage.

  6. Guten Morgen!

    Schön zu sehen, dass dieser kleine Fall eine lebhafte Diskussion auszulösen vermag.
    Die Reaktion bzw. die Antworten der Anwaltschaft sind mE nachvollziehbar und einfach zu erklären: Berufserfahrung. Das hat nichts mit Arroganz oder Überheblichkeit zu tun, sondern ist lediglich das Ergebnis der Erfahrungen aus dem Berufsalltag. Wer sich ein wenig mit den Herausforderungen der Erstellung von AGBs auskennt weiß auch, dass man auf eine Anfrage wie der vorliegenden kein konkretes Angebot unterbreiten kann, da die Angaben viel zu vage sind. Aus diesem Grunde kann dem Anfragenden bei solchen Angaben eigentlich nur eine Erstberatung in Aussicht gestellt werden. Die Erstellung von AGBs erfordern Zeit, da es für kein Unternehmen dieser Welt Vorlagen gibt, die speziell für das Unternehmen gefertigt wurden. Diese Zeit kostet Geld, was nur die wenigsten bereit sind auszugeben, wenngleich die AGBs als Basis vieler Unternehmen zu sehen sind. Selbstverständlich bekommt jeder Mandant auch ein konkretes Angebot: Pauschalen, wo dies möglich ist, einen Betragsrahmen oder aber die Vereinbarung eines Stundenhonorars. Leider hat die inflationäre Angebotsschwemme im Internet anscheinend dazu geführt, dass nur noch Pauchalangebote angenommen und akzeptiert werden. Dabei übersehen viele, dass genau die Vereinbarung eines Pauschalhonorars bei der Erstellung von AGBs schnell zu Lasten des Mandantn gehen kann, wenn die Erstellung dann doch mehr Zeit beansprucht als dies der Anwalt ursprünglich kalkuliert hat.

    • Der Ersteller der AGBs kann sich schadensersatzpflichtig machen, wenn AGBs erstellt werden, die zum Zeitpunkt der Erstellung juristisch nicht haltbar waren. Auch dies ist ein Punkt, der in die Preisgestaltung bei der Erstellung von AGBs einfließen muss und meist vom Auftraggeber unberücksichtigt bleibt. Der Anwalt haftet für das, was er individuell erstellt. Dies sichert den Auftraggeber ab.

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