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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Kim Dotcom, selbst ernannter Innovationsmotor, sieht die Möglichkeit, dem illegalen Filesharing ein Ende zu bereiten. Die Rezeptur hat er auch bereits zur Hand:filesharing illegal

Dotcoms Zutaten lauten wie folgt:

„Erstens: Schaffe großartige Inhalte. Zweitens: Mach Sie einfach zu erwerben. Drittens: gleichzeitige weltweite Verfügbarkeit. Viertens: Mach einen fairen Preis. Fünftens: Verfügbarkeit der Inhalte auf allen Endgeräten.“

Problem:

Kostenlos ist auch durch einen fairen Preis nicht zu unterbieten. Zudem nutzen viele Filesharer die Tauschbörsen nicht unbedingt zum originären Erwerb des urheberrechtlich geschützten Werkes, sondern weil sie mal eben auf die Schnelle eine digitale Version benötigen und keine Lust haben, die gekaufte CD umzuwandeln. Tauschbörsen sind so herrlich einfach und schnell. Daher wird Doctoms gesunde Rezeptur einigen schmecken, aber nicht allen. Fast Food hingegen ist ungesund, aber beliebt.

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Kommentar

  1. Kostenlos ist nicht zu unterbieten, stimmt. Aber herrlich einfach und schnell ist grundsätzlich auch bei kostenpflichtigen Anbietern möglich, ist es aber oft nicht. Wichtig ist, dem Filesharer für sein Geld einen Mehrwert zu bieten, und da können viele Anbieter noch viel lernen.
    Wenn sich z.B. der ehrliche Käufer einer DVD durch endlose nicht abschaltbare Trailer und Urheberrechtswarnungen quälen muss, bevor er seinen ehrlich erworbenen Film ansehen darf, während der Filesharer direkt in den Film startet, dann läuft irgendwie etwas falsch.
    Auf einen Service, der mit dem amerikanischen Netflix vergleichbar ist, dürfen deutsche Film- und Serienjunkies wohl auch noch lange warten.

  2. Leute, die gar kein oder nur sehr wenig Geld haben (z.B. Jugendliche) bzw. die pauschal nicht bereit sind für die Inhalte Geld auszugeben, können per Definition nicht zur Zielgruppe der Inhalte produzierenden Industrie gehören.

    Damit wäre eben diese Industrie gut damit beraten sich auf diejenigen Konsumenten zu konzentrieren, die oben genannte Bedingungen nicht erfüllen, denn nur mit denen lässt sich Geld verdienen. Und diese Leute sind, wenn man eben diese 5 Regeln einhält, auch aus meiner Sicht von den nicht legalen Quellen abziehbar. Derzeit ist mir keine Plattform bekannt, auf die mehr als einer der Punkte zutrifft, wohingegen illegale Anbieter im Regelfall hingegen alle 5 Punkte erfüllen.

    • @sbarche & Philip
      In der Tat dürften viele von den illegalen Quellen abziehbar sein, wenn sich die legalen Angebote qualitativ den illegalen Portalen annähern würden. Dennoch wird ein nicht unbeachtlicher Teil weiterhin die „kostenfreie“ Variante des Downloads urheberrechtlicher Werke wählen. Davon dürfte die Contentindustrie allerdings nicht vollends zugrunde gehen.

  3. Kim Dot Com hat ausnahmsweise absolut Recht. Gerade die Plattenindustrie ist in allen 5 Punkten, zu einer Zeit, in der es drauf ankam (Mitte / Ende der 1990er, grandios gescheitert.

    1. Schaffe großartige Inhalte – wenn man sich mal reinzieht, was so alles eines Plattenvertrag hat, scheitern die „Riesen“ bereits am Content. Nachdem man dazu übergegangen ist, nur noch mit Hochdruck Einweg-Abmelk Produkte zu schaffen und aggressiv zu vermakrten, stieg zwar der Wunsch, „alles zu besitzen“, aber es fehlte die Bereitschaft, für den ganzen eher mediokren Käse auch zu zahlen.

    2. Einfachheit des Erwerbs – die Industrie hat die Digitalisierug des Contents einfach mal locker 10 Jahre verschlafen.

    3. Weltweite Verfügbarkeit – dito. Die auf Tonträger ausgerichteten Vertriebsstrukturen der Plattenindustrie versagten in Punkto Geschwindikeit und fanden ihre Grenzen in Regionen, in denen es keinen Vertriebsvertrag gab.

    4. Fairer Preis: die Industrie drehte mit Einführung der CD die Preisschraube gnadenlos nach oben. Zum Ende der D-Mark waren Preise von 35.99 DM keine Seltenheit. Stichwort: die CD ist ein (Luxus-) Kulturgut – nur zu vergleichen mit einem hangebundenen Harcoverbuch. Bereits damals fehlte flächendeckend das Verständnis, dass der kurzlebige Chart-Käse mit den Buddenbrooks im Schweinsleder-Goldschnitt auf eine Linie zu bringen war.

    Die Industrie hat mit den Preisen bei rückläufigen Umsätzen (zunächst aufgrund CD-ROM Brennern) diejenigen bestraft, die überhaupt noch CDs gekauft haben.

    Post-Napster aber Prä-MP3 Player war man noch für eine gewisse Zeitspanne auf das Trägermedium CD(-ROM) angewiesen, wollte man die „gezogenen“ MP3s mobil anhören. Wenn man die Kosten und Zeitaufwand für Laden, Konvertieren, Rohling, Brennen, Cover suchen, Cover drucken, zuschneiden, Jewel-Case usw. addiert, lag die gebrannte CD nur gering unter der Schwelle von 10 EUR – der Benchmark für ein aktuelles digitales Album. Hätte die Industrie die Preise nicht erhöht, sondern gesenkt – viele hätten weiterhin CDs gekauft, was den Absatz an den „Aktions“ Displays in MediaSaturn (bis heute!) erklärt.

    5. Verfügbkarkeit auf allen Endgeräten – stimmt. Aber heute kein Thema mehr, da jedes Handy MP3 abspielen kann. In der „kritischen“ Zeit ist die Industrie auch nur langsam mit MP3-fähigen Discmen / Autoradios nachgekommen.

    Schließlich hat die Industrie durch repressiv agressives Vorgehen auch noch versäumt, dass sich ein aufrichtiges Unrechtsbewusstsein entwickeln kann. In der Wahrnehmung der Abgemahnten spielen „arme Künstler“ keine Rolle – es sind die „Abzocker“ empfundenen Kanzleien.

    Bei aller Kritik: durch digital – legal oder illegal – wurde eine lebendige Plattenladenszene nachhaltig zerstört. Die wenigen, die es noch gibt, muten wie Museen an.

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