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Karsten Gulden
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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
...befasst sich mit den Entwicklungen der künstlichen Intelligenz und fragt sich, ob es eine Superintelligenz geben wird.
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Im Moment wird allerorts über die geplante Datensammelaktion der Schufa berichtet. Im Gegensatz zu ähnlich klingenden Umweltaktionen muss man hier jedoch niemanden zum Mitmachen aufrufen. Sie tun es bereits alle fleissig. Die „Ausstellung des Privaten als Zwang der Mediengesellschaft“ (Schertz) ist längst kein Scherz mehr. Nur die meisten der Protagonisten wissen eben nicht um den Wert ihrer Daten. Nach wie vor wird das Private unsäglich öffentlich gemacht. „Ich habe nichts zu verbergen“ lautet dann die Kernaussage der gläserenen Zwangsgestalten. Sie wissen es eben nicht besser, weil sie ihren Daten selbst keinen Wert beimessen und alles unter ihrer Kontrolle wähnen. Hier muss der Hebel angesetzt werden. In naher Zukunft wird es zu einer kleinen Kehrtwende kommen, was das Verständnis der Bevölkerung hinsichtlich des Wertes ihrer Daten anbetrifft. Daten als neue WährungNicht, dass sie selbst darauf kommen werden. Nein, es wird ein Anstoß aus der virtuellen Wirtschaftsindustrie erfolgen, die nicht mehr unter dem Deckmantel von Gratis- und Kostenlosangeboten versuchen werden, an sämtliche persönlichen Daten der Internetnutzer heranzukommen, sondern den Angriff nach vorne versuchen werden, so wie die Schufa es aktuell praktiziert.  Das könnte etwa so aussehen:

„Name, Adresse, Alter, Beruf, Anzahl der Freunde, Berufe der Freunde und Wohnorte der Freunde = eine Hotelübernachtung oder wahlweise ein Abendessen für zwei in einem Hotel unserer Wahl.“ 

„Name, Adresse, Alter, Beruf, Anzahl der Freunde, Berufe der Freunde und Wohnorte der Freunde, Hobbies, Lieblingsurlaubsländer- und Speisen, Anzahl der Goldzähne = Hotelübernachtung + Essen + Massage.“

Der neuen Währung „Datensatz“ sind keine Grenzen gesetzt. Ein virtueller Tauschhandel. Das Problem ist nur die Begrenztheit der persönlichen Daten. Die Vergabe sollte daher nur exklusiv erfolgen gegen ein Höchstmaß an Gegenleistung. Denn wer weiß schon so genau, ob nicht bereits die anvisierte Krankenversicherung den soeben „verkauften“ Datensatz über Umwege erlangt hat. Nicht auszudenken was mit Facebook geschieht, wenn die ersten Nutzer aufgrund ihrer öffentlichen Facebookdarstellung keine Kredite mehr bekommen. Das Geheule wird groß sein. Auf beiden Seiten.

Aus diesen Gründen hat die geplante Schufasammelaktion auch ihre gute Seite: Das Bewusstsein über den eigenen Datenwert wird gesteigert.

Kurzum: Daten sind nicht wertlos. Keine App dieser Welt ist kostenlos. Vielleicht ein Denkanstoß für die europäischen Zwirnträger eine neue Währung neben dem Euro einzuführen. Namensvorschläge sind herzlich willkommen.

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