in Ansichten eines Anwalts

Amazon-Händler kennen und fürchten ihn: Den Amazon-Maßnahmeplan. In Kontakt kommt man mit ihm, wenn das Amazon-Konto deaktiviert wurde und das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Ominös?

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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Viele Amazon-Händler kennen das Problem einer Konto-Deaktivierung. Amazon teilt kurz und knackig mit, dass man künftig nicht mehr bei Amazon.de verkaufen dürfe. Grund? Beispiel:….

 

da wir Beschwerden über die Echtheit Ihrer Artikel erhalten haben. Wir haben Ihnen am Ende dieser E-Mail Beispiele der betroffenen Artikel aufgeführt. Guthaben werden nicht an Sie ausgezahlt, sondern bleiben auf Ihrem Konto, während wir mit Ihnen an der Lösung dieser Angelegenheit arbeiten. tweet

 

Fuck. Nicht gut. Was tun?

Amazon liefert die Antwort gleich mit:

 

Um erneut bei Amazon.de verkaufen zu können, senden Sie uns einen Plan mit Maßnahmen, die Sie ergriffen haben, um das Problem zu lösen und ähnliche Beschwerden in Zukunft zu vermeiden. Beschränken Sie diesen Plan nicht nur auf Probleme mit bestimmten Bestellungen. tweet

 

Super. Wie einfach. Was will Amazon wissen?

Antwort: Alles!

Amazon drückt es so aus:

 

Geben Sie dabei bitte außerdem folgende Informationen zu jeder ASIN an:
— Innerhalb der letzten 365 Tage ausgestellte Rechnungskopien oder Kaufbelege Ihres Lieferanten. Aus diesen sollte Ihr Umsatz während dieses Zeitraums ersichtlich sein.
— Kontaktdaten Ihres Lieferanten, einschließlich Name, Telefonnummer, Adresse und Website tweet

 

Holla, die Waldfee! Blankziehen sollen die Händler. Und sie machen es. Gezwungenermaßen. Wer nicht mitspielt fliegt raus. Dauerhaft. Null-Umsatz garantiert.

Nun hilft all das Jammern nicht. Die Spielregeln sind bekannt. Deutsche Gesetze interessieren im E-Commerce-Sektor bald keinen Händler mehr.

In der E-Commerce-Welt haben die Richtlininen und AGB der Global-Player still und leise die alten Gesetze ersetzt. Doch nicht nur das: Amazon und Co sind Legislative, Judikative und Ecxekutive in einer Gestalt. Der Traum eines jeden Diktators. Das „Schöne“ daran: Das Ganze ist legal, da freiwillig. Die Zufriedenheit des Kunden allein zählt. Wenn der ein oder andere Händler dabei unter die Räder gerät, so gehört dies zur normalen Entwicklung. Quasi eine E-Commerce-Evolution. Überleben werden nur die, die gehorchen und sich anpassen. Survival of the fittest. Ein alter Hut. Aber kommen wir nun zurück zu dem Maßnahmeplan.

Die Händler wollen wissen, was sie schreiben müssen. Die Antwort: Das was Amazon hören will. Es gibt keine Schablone. Man muss die Sprache dieser Konzerne verstehen und versuchen die Hintergründe ausfindig zu machen.

Amazon macht sehr konkrete Angaben, welche Informationen die Händler übermitteln müssen, um wieder verkaufen zu dürfen. Früher waren jahrelange Prozesse notwendig, um an die Auskünfte zu kommen, die die Händler nun „freiwillig“ machen müssen, um wieder am Spiel teilnehmen zu dürfen. Einem Spiel mit einem begrenzten Spielfeld und einem parteiischen Schiedsrichter namens Amazon. Dessen sollten sich die Händler stets bewusst sein.

Ominös ist das Vorgehen Amazons also nicht. Nein. Es ist die neue Welt, die wir uns geschaffen haben und zu der jeder seinen eigenen kleinen Teil beiträgt.

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