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Bewertungen und Rezensionen im Internet werden immer häufiger missbraucht und als Drohmittel eingesetzt. Was viele nicht wissen: Das kann strafbar sein.

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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Eigentlich bin ich ein großer Freund der Bewertungen und Rezensionen, die man im Internet so finden kann. Sie helfen mir in der Regel bei meiner Kaufentscheidung. So soll es sein und so wäre es auch gut, wenn es da nicht eine Entwicklung gäbe, die mir Sorgen bereitet: Die Drohung mit negativen Bewertungen, wenn man nicht das bekommt, was man sich so wünscht.

Immer mehr Kunden, User und Patienten sind sich der Macht der Bewertungen im Internet bewusst. Schlechte Bewertungen sind geschäftsschädigend. Das wissen nicht nur die Unternehmen und Dienstleister, sondern auch die Verbraucher und Konsumenten. Natürlich auch die Konkurrenten. Uns so kommt, was kommen muss:

Bei der kleinsten Kleinigkeit werden die Unternehmen und Dienstleister „abgestraft“ in Form von schlechten Bewertungen. Kriminell wird es dann, wenn der „Kunde“ in Aussicht stellt, den Ruf des Anbieters durch die Abgabe einer unfairen Bewertung zu schädigen, wenn dieser nicht macht, was der „Kunde“ will. Meist geht es dann ums liebe Geld.

Das kann dann so aussehen:

„Der Preis für dein Produkt ist viel zu hoch. Ich zahle dir die Hälfte. Wenn du das nicht akzeptierst, werde ich dich schlecht bewerten“

Dieses Verhalten ist nicht nur ethisch verwerflich, sondern kann dazu führen, dass sich der „Bewerter“ strafbar macht wegen Nötigung gemäß § 240 Strafgesetzbuch oder gar Erpressung, 253 StGB. Es drohen Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren!

Daher mein Hinweis in aller Deutlichkeit:

 

Wer mit der Abgabe schlechter Bewertungen droht kann sich strafbar machen! tweet

 

Ich kann allen Anbietern, Dienstleistern und Unternehmern nur dringend anraten, ein solches Verhalten nicht zu tolerieren und sich nicht darauf einzulassen. Leider zeigt die Praxis jedoch, dass sich selbst etablierte Unternehmen teilweise auf einen solchen Kuhhandel einlassen und im Nachgang Preisnachlässe gewähren. Wer damit beginnt, darf sich nicht wundern, wenn sich das „herum spricht“. Das kann der Anfang vom Ende sein. Wer seriös arbeitet, sollte sich nicht erpressen lassen.

Mein Tipp:

Betroffene Unternehmen und Dienstleister sollten auf freundliche, aber bestimmte Art und Weise den „Bewertern“ erklären, dass sie hier in eine Sackgasse laufen und ihnen die Möglichkeit geben, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Sollte der „Bewerter“ seinen Worten dennoch Taten folgen lassen und eine unfaire Bewertung abgeben, sollten rechtliche Schritte geprüft werden – sowohl in zivil- als auch in strafrechtlicher Hinsicht.

 

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Kommentar

  1. Guter Artikel, bei dem lediglich eine winzige Anmerkung angebracht ist:
    In dem Moment, in dem es bei der Drohung „um Geld“ geht (wie im verwandten Beispiel), steht nicht mehr nur eine „einfache“ Nötigung im Raum, sondern schon eine Erpressung (§ 523 StGB).

  2. Sobald die negative Bewertung gegen eine Geldleistung verhindert werden soll, handelt es sich um eine Erpressung. Mir liegt bereits ein entsprechendes Urteil vor, in dem der Erpresser sich zur Unterlassung der Erpressung verpflichten musste.

  3. Sehr geehrter Hr. Gulden,

    Ich möchte einen Bahngesellschaft negativ bewerten und hab Angst, ob dass Strafbar sein könnte.

    Hier kurz warum ich Cantus Bahn negativ bewerten möchte.

    ich wurde nach meier Meinung unrecht im Zug bestraft. Ganz kurz zu erklären: Ich wollte von A. nach G. fahren. A, B und C Städte liegen in Thüringen und wie ich wusste, sollte meine Semesterticket reichen. Habe deswegen Ticket auf Bahn-App von Stadt C nach stadt G für 21,75 Euro gebucht. Gleichzeitig kostete Ticket von Stadt B bis G auch 21,75 Euro. Also, ich hätte auch mit gleichen Geldmenge auch ein Ticket von B bis G gekauft. Genau das war meine Fehler. In der Stadt B als ich nach Stadt C gefahren bin, ist aufgefunden worden, dass mein Semesterticket zwischen B und C nicht galt und wurde mit 66,30 Euro bestraft. Auch zu Kontrollerin und auch später per Email habe ich erklärt und Bildaufnahmen gezeigt, dass ich mit gleichen Preis auch ein Ticket von B bis G buchen könnte wenn ich gewusst hätte, dass mein Semesterticket zwischen B und C nicht galt und das würd mir auch gleiche Preis 21.75 Euro kosten. Also, tatsächliche Summe von B bis G ich schon bezahlt hatte, obwohl in meinen Ticket nur C bis G angegeben wurde. Alle meine Erklärungen hat nichts gebracht und nun muss ich 66,30 Euro nach mine Bitte halt mit Raten zahlen.

    Meinen Sie wäre alles das, was ich geschrieben habe einen Grund sein um eine negative Bewertung zu schreiben?

    Falls ja, wäre es Rechtlich OK wenn ich einen extra Kanal auf YouTube erstelle mit Namen: “Ich bin unzufrieden mit Cantus Bahn“ und eine Video auf diesen Kanal veröffentliche wo ich mit Text und Bildaufnahmen meine Schtrafgeschichte erzähle?

    Darf ich im Youtube Kanal als Logo und als Kanalbild einen selbstgemachten Text “Cantus Bahn“ und neben diesen Text einen 1-Stern Bewertungszeigen aufzeichnen? Dazu wurde ich auch auf gleichen Logo und Kanalbild auch draufschreiben: “wegen eigene Erfahrungen bewerte ich Cantus Bahn mit einen Stern“

    • Hab ganz vergessen, ich danke Sie für Ihre Aufmerksamkeit und Ihre zuckünftige Rückmeldung sehr herzlich und wünsche guten Rütsch in das neue Jahr. 🙂

  4. so wie ich verstehe ist es strafbar eine negative Bewertung zu schreiben ?
    Ich habe einen Anwalt für Mietrecht in Stuttgart gesucht. Die Wahl fiel auf Wolf-Thilo Tettenborn wegen besonders guten Bewertungen.
    RA. T. hat uns nicht geholfen, sondern geschadet:
    die Kündigung für die Wohnung falsch formuliert, den Prozess verloren.
    Kostenpunkt für verlorenen Prozess für uns beträgt eine 4.stallige Summe.
    Hätte uns ein anderer Anwalt nicht geholfen, würden wir bis heute unsere Wohnung nicht zurückbekommen.
    Deswegen habe ich eine neg. Bewertung im Internet gegen RA Tettenborn abgegeben.
    Ich habe den RA Tettenborn „Anwalt ohne Kenntnisse “ bezeichnet. Die Bewertung hat RA Tettenborn auf anwalt.de gelöscht ( Portal anwalt.de hat das – nach der Überprüfung des Vorganges – nicht gemacht).
    RA Tettenborn hat mir gedroht mich zu verklagen, wenn ich gegen ihn jeweils eine schlecht Bewertung schreiben. Ich habe meine Bewertung nicht zurückgezogen.
    Jetzt verklagt mich der RA Tettenborn.
    Es ist mir klar, wie die Anwälte auf gute Bewertungen kommen. Eigentlich die Bewertungen im Internet sollen dem Verbraucher helfen. Tun die nicht .

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