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Die Entziehung von Doktortiteln – neuer Volkssport oder Selbstschutz der Universitäten zu Lasten der Würdenträger?

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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Nahezu täglich wird die Öffentlichkeit über die Entziehung eines Doktortitels von mehr oder wenigen bekannten Personen informiert. Zu Guttenberg kann insoweit als fragwürdiger Pionier betrachtet werden, dessen Fall eine regelrechte Entgraduierungswelle ausgelöst hat. Stoiber Tochter Veronika Saß verlor ebenso ihren Doktortitel wie Silvana Koch-Mehrin, Uwe Brinkman und viele andere nicht prominente Akademiker. Auffällig ist in diesem Zusammenhang die hohe Anzahl an Medizinern, denen der Doktortitel aberkannt wurde oder gegen die aktuell entsprechende Verfahren laufen.

Voraussetzung für die Aberkennung eines Doktortitels

Die Aberkennung des Doktortitels richtet sich maßgeblich nach der zugrundeliegenden Promotionsordnung der jeweiligen Universität. Gemeinsam ist dabei allen Promotionsordnungen, dass im Mindestmaß ein gravierendes Fehlverhalten oder ein Verstoß gegen geltendes Recht vorliegen muss, damit es zur Aberkennung des Doktortitels kommt. Den Prüfungskommissionen obliegt dabei ein Ermessensspielraum, dessen Einhaltung in jedem Fall überprüft werden sollte.

Aktuelle Fälle aus der Rechtsprechung

Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim, Az.: 9 S 2667/10 verlangte in einem aktuellen Fall ein schwerwiegendes Fehlverhalten des Doktoranden, durch das sich die weitere Führung des Doktortitels und der damit begründete Anschein wissenschaftskonformen Arbeitens angesichts der gravierenden Verstöße gegen die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis und Redlichkeit als unzutreffend herausstellte. Zum Schutz vor Irreführung müsse die Verleihung daher korrigiert werden. Typischerweise sei dies bei der Fälschung von Forschungsergebnissen der Fall, wenn Daten erfunden und verändert werden oder behauptete Versuchsergebnisse nicht oder nicht auf dem beschriebenen Wege gewonnen worden sind.

Es wird mitunter argumentiert, dass der Entzug des Doktortitels dem Schutz einer funktionstüchtigen Wissenschaft diene damit dem Schutz eines überragend wichtigen Gemeinschaftsinteresses, das ebenfalls Verfassungsrang genieße.

Das Verwaltungsgericht Darmstadt, Az.: 3 K 899/10.DA sieht den Entzug der Doktorwürden als rechtmäßig an, wenn eine vorsätzliche Täuschungshandlung des Doktoranden vorliegt. Dies sei bei direkt zitierten Textsegmenten im eigenen Fließtext oder zumindest der Wiedergabe in eigenen Worten der Fall, bspw., wenn Werke an einer bestimmten Stelle zitiert werden, an anderer Stelle jedoch, ohne dies kenntlich zu machen, Textteile aus diesen Werken übernommen werden (so genannte Bauernopfer-Referenz).

Im Deutschen Ärztebaltt.de ist unter „Plagiate in der Wissenschaft…“ ist folgender Hinweis zu finden:

„… als Gründe für die Aberkennung wurden angegeben (Umfrage Med. Fak.) „Massive Dokumentenfälschung etlicher externer Zeugnisse“, „Doppelvorlage der Arbeit an zwei Universitäten“

Die Berliner Charitè hingegen gibt zwei Ärztinnen die Gelegenheit, ihre fehlerhaften Doktorarbeiten zu korrigieren und erneut einzureichen.

Diese Liste aktueller Rechtsprechungen zum Thema Aberkennung von Doktortiteln ließe sich fortführen allerdings ohne die Gewinnung neuer Erkenntnisse. Entscheidend ist in den meisten Fällen die konforme Anwendung und Prüfung der Promotionsordnung im Rahmen des geltenden Rechts. Aus aktuellen Verfahren wissen wir, dass die Prüfungskommissionen derzeit allzu leicht Urheberrechtsverstöße von Doktoranden feststellen wo gar keine vorliegen. Dies mag an der ein oder anderen juristischen Unterbesetzung der Kommissionen liegen oder aber an dem medialen Druck, den die altehrwürdigen Universitäten aushalten müssen, um nicht ihr eigenes Gesicht zu verlieren. In den meisten Fällen ist der Doktorand das Bauernopfer, was nicht sein muss, wie der Fall Althusmann zeigt:http://www.zeit.de/studium/hochschule/2011-12/althusmann-kommentar.

Fazit:

Die Plagiatsverfahren in der Wissenschaft haben derzeit Konjunktur und sollten allein aufgrund des medialen Drucks kritisch beäugt werden, da die Universitäten seinerzeit die Doktorwürden ebenfalls vorsätzlich verliehen haben.

(kg)

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