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Ein Leben ohne Jahresrückblick scheint nicht mehr lebenswert zu sein. Während man bis vor wenigen Jahren einfach den Fernseher ausschalten konnte, um der Erinnerungskrücke aus dem Weg zu gehen, wird dies im Zeitalter der Neuen Medien zunehmend schwieriger.

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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Facebook liefert gleich ein fertiges Paket. Das war dein Jahr. Schau es dir an. Wie glücklich und zufrieden du bist, schönes Menschlein.

Die Zusammenstellung des Rückblicks erfolgt dabei durch Algorithmen, nicht durch warmherzige Freunde. Daraus resultieren unschöne Rückblicke, wie der Fall Eric Meyer zeigt. Spiegel Online berichtete hierüber.

Wer ist nun der Böse? Facebook oder doch die Nutzer, die ihre Bilder hochladen? Wer war zuerst da? Das Ei oder das Huhn?

In rechtlicher Hinsicht ist das Vorgehen Facebooks nicht zu beanstanden. Verletzungen des Persönlichkeitsrechts sehe ich hier keine, da die Nutzer die Hoheit über ihre Bilder abgeben, sobald diese bei Facebook hochgeladen werden. Der Nutzer muss damit rechnen, dass FB die Bilder erst recht auch zu eigenen Zwecken nutzt. Das ist hier der Fall. FB bewirbt sich selbst auf der Pinnwand des Nutzers mit dessen Bildern und Emotionen. Ein perfekter Schachzug. Wer das nicht verkraftet sollte fortan keine Bilder mehr hochladen.

Und Freunde: Das ist erst der Anfang. Die Folgen der automatisierten Datenverarbeitung wird auch zu fatalen Fehlern führen. Ausbaden muss das später der Nutzer, der irgendwann einmal seine Daten irgendwo hinterlassen hat, freiwillig versteht sich (Payback, Gewinnspiele, Social Medias, „kostenlose“ Apps und weiteren Bauernfängerreien).

Facebooks Jahresrückblick – algorithmische Grausamkeit oder menschliche Dummheit? Egal, es ist zulässig – das sollte stören und zu denken geben.

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Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Gulden,

    vielen Dank für Ihre rechtliche Klarstellung des Jahresrückblicks in Facebook. Der in Spiegel Online berichtete Fall sollte wie so vieles dem Internetnutzer vor Augen führen, dass er mit seinen Daten und Uploads sehr vorsichtig umgehen sollte. Unfreiwilligerweise gibt man mit seinem Surfverhalten bereits viele Informationen von sich preis, stöbern Sie bspw. mal nicht-eingeloggt auf Ebay, wenige Stunden später erhalten Sie eine Email mit entsprechenden Angeboten. Diese und viele weitere Informationen werden verarbeitet, so dass die Unternehmen Ihre finanzielle Situation und Ihr Kaufverhalten besser einschätzen können als es Ihre Hausbank jemals könnte!

    Herzliche Grüße

    Marcel Förster

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