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Die Emotionen kochen! Der Absturz der GermanWings Maschine 4U9525 spaltet scheinbar Deutschland in zwei Lager. Die Einen lassen ihre gesamte Wut an dem Co-Piloten aus, die Anderen mahnen zur Mäßigung.

Tobias Röttger
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Rechtsanwalt Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
Blogger, YouTuber, Rechtsanwalt und Gesellschafter von gulden röttger | rechtsanwälte. Meine Steckenpferde sind das Geistige Eigentum, Social Media, Persönlichkeitsrechte, Internet und Musik.
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In unserem Artikel „Co-Pilot – GermanWings 4U9525 – die Hetze geht los“ und unserem YouTube Video „Hetze gegen Co-Pilot GermanWings 4U9525 strafbar!?“ haben wir unserer Ansicht nach relativ sachlich darauf hingewiesen, dass man mit manchen Äußerungen wegen § 189 StGB Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener gegenüber dem Co-Piloten, dessen Angehörigen oder den anderen Opfern vorsichtig sein muss.

Daraufhin brach hier im Blog, auf YouTube und insbesondere auf unserer Facebook-Seite eine sehr heftige Diskussion aus. Einige Kommentatoren haben uns vorgeworfen, wir würden deren Meinungsfreiheit einschränken. Andere warfen uns strafbare Werbung vor – Werbung für Anwälte sei ja nicht erlaubt – und die Kammer sei darüber auch schon informiert worden. Man müsse uns die Lizenz entziehen. Außerdem seien wir zwielichtige Gestalten, Möchtegern-Hollywood-Staranwälte im Straßengammler Look und ein weiterer Kommentator ging sogar so weit, dass er uns indirekt mit dem Tod gedroht hat. Was haben wir verbrochen? Wir haben lediglich die Rechtslage dargestellt. Einige Kommentare lassen den Gedanken aufkommen, dass wir uns in schnellen Schritten wieder dem Mittelalter nähern, in dem ohne groß Fackeln, der Beschuldigte einfach am nächsten Baum aufgehängt wird.

 

Die Presse hat ihr Ziel erreicht tweet

 

– Emotionen zu wecken, Diskussionen im politikverdrossen Deutschland zu entfachen und nebenbei ein paar Zeitungen zu verkaufen oder die Einschaltquote zu steigern. Viele unserer Leser haben uns die Frage gestellt, ob die sensationsgeile Art und Weise der Presseberichterstattung, insbesondere die Verwendung von Bildern, auf denen der vermeintliche Täter – ja,ja, es existieren sehr, sehr viele ernsthafte Hinweise, trotzdem ist noch lange nicht alles ausgewertet -, die weiteren Opfer des Absturzes oder die trauernden Angehörigen abgebildet sind, so überhaupt erlaubt ist.

In einem ausführlichen und sachlichen Artikel, frei von jeglichen Emotionen, sind wir der grundsätzlichen Frage der Pressebildberichtserstattung bei Katastrophen und Unglücken nachgegangen. Wie es nun mal im deutschen Recht so ist, kommt es wie immer darauf an.

Unserer Ansicht nach, darf die Presse nicht so einfach unverpixelte Bilder der Opfer und der trauernden Angehörigen veröffentlichen, sofern keine Einwilligung der Betroffenen oder der Angehörigen vorliegt. Wir sind der Ansicht, dass im vorliegenden Fall weder die Opfer des Absturzes noch die Angehörigen Personen der Zeitgeschichte sind. Bzgl. des Co-Piloten, kann man bei der Frage, ob dieser eine Person der Zeitgeschichte geworden ist, sicherlich zu einem anderen Ergebnis kommen.

 

Warum müssen die Opfer bildlich in die Öffentlichkeit gezerrt werden? tweet

 

Was hat uns Leser und Zuschauer die Gesichter der trauernden Angehörigen zu interessieren? Ist das öffentliche Informationsinteresse nur dann gestillt, wenn wir wissen, wie die Opfer aussehen? Warum müssen wir die Trauer der Angehörigen noch erschweren, indem diese an jeder Ecke, unter reißerischen Überschriften, in die Gesichter ihrer verlorenen Liebsten starren müssen? Wird hier nicht eher unter dem Deckmantel des „öffentlichen Informationsinteresse“ an die Steigerung der eigenen Auflage oder der Einschaltquote gedacht?

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Kommentar

  1. Ein sehr guter Artikel, spricht mir aus der Seele!
    Manche Zeitung, besonders die mit den großen Buchstaben und der Bildhaften Berichterstattung, hat auch keine Skrupel, Briefe von Angehörigen, welche am Gedenkstein der Absturzstelle hinterlegt wurden, zu veröffentlichen!! Verletzung des Briefgeheimnisses und des Persönlichkeitsrechts..

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