in Infodocc

Tobias Röttger
folge mir

Tobias Röttger

Rechtsanwalt Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
Blogger, YouTuber, Rechtsanwalt und Gesellschafter von gulden röttger | rechtsanwälte. Meine Steckenpferde sind das Geistige Eigentum, Social Media, Persönlichkeitsrechte, Internet und Musik.
Tobias Röttger
folge mir

QR-Code GrabsteinKlingt makaber oder pietätslos, ist aber inzwischen Realität. Es existieren in Deutschland die ersten Grabsteine, auf den QR-Codes eingemeißelt sind. Der QR-Code kann nach Wunsch des Kunden bspw. auf eine Trauerseite verweisen oder auf ausgesuchte Daten des Verstorbenen.

Der QR-Code soll viele aktuelle Probleme lösen. Die Friedhofspfade würden aufgrund immer häufiger auftretender eingeschränkter Mobilität vieler Besucher immer leerer werden. Trauernde hätten so die Chance, an einem virtuellen Ort zu trauern.

Daneben würde es immer häufiger zu Urnenbestattungen kommen. Die Urnengrabsteine sind häufig zu klein, um die gewünschten Daten und Trauersprüche unterzubringen. Mit Hilfe des QR-Codes wäre das Problem gelöst.

Wenn der QR-Code sich zum Grabstein-Schlager mausern sollte, wird sich auch die Smartphone- und Tablet-Industrie freuen, denn dann könnten sie eine ganz neue Käuferschicht mobilisieren. Die Generation 70+ müsste sich mit Smartphones und Tablets bewaffnen, um richtig trauern zu können.

Ich bin mal gespannt, ob die Friedhofsverwaltungen den Neuerungen ebenfalls so offen gegenüberstehen, wenn sich die Friedhöfe Deutschlands langsam zu LAN-Partys entwickeln ;-).

Der Amtsleiter Manfred Kaune des Kölner Amts für Landschaftspflege und Grünflächen steht den Grabsteinen mit QR-Codes eher kritisch gegenüber. QR-Codes könnten Inhalte nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar machen, wenn bspw. eine Sounddatei hinterlegt wäre. Dies könnte zu erheblichen Störungen auf den Friedhöfen führen. Derzeit lehne er deshalb entsprechende Anträge ab.

Mich würde es nicht wundern, wenn in ein paar Jahren die ersten Grabsteine auf den Markt kommen, in denen bspw. ein Table oder Mini-PC enthalten ist und der Besucher sich den reich bebilderten Werdegang des / der Toten anschauen kann.

Facebook zeigt, dass das Mitteilungsbedürfnis der Leute über ihr Leben sehr groß ist. Warum sollte das nicht auch über den Tod hinausgehen.

Ich bin was das angeht, eher altmodisch, ich brauche auf einem Friedhof keine QR-Codes. Ich habe die Erinnerungen an meine verstorbenen Verwandten und Bekannten in meinem Kopf. Spätestens nach dem Tod sollten wir auch mal Offline gehen.

Schreibe einen Kommentar

Kommentar

  1. Kann ein kommunaler oder kirchlicher Friedhofsträger verbieten, dass QR-Codes angebracht werden? Oder wiegt das Recht der Person bzw. der Wunsch des Verstorbenen schwerer?

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 Stimmen, Durchschnitt: 4,00 aus 5)
Loading...