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Gruppenbilder vom Event, der Betriebsfeier, der Party oder dem gemeinsamen Urlaub sind auf Facebook oder im Netz beliebte Posts. Aber darf man das einfach so oder benötigt man tatsächlich von jeder abgebildeten Person die Einwilligung zur Veröffentlichung der Bilder?

 

Tobias Röttger
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Tobias Röttger

Rechtsanwalt Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
Blogger, YouTuber, Rechtsanwalt und Gesellschafter von gulden röttger | rechtsanwälte. Meine Steckenpferde sind das Geistige Eigentum, Social Media, Persönlichkeitsrechte, Internet und Musik.
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Kurz und knapp:

  • Bilder von Personen darf man nur mit deren Einverständnis im Internet veröffentlichen
  • Von jeder einzelnen Personen auf dem Bild benötigt man die Zustimmung
  • Die benötigte Einwilligung entfällt nicht ab einer bestimmten Anzahl von Personen auf dem Gruppenbild
  • Bei Minderjährigen müssen auch die Eltern zustimmen
  • In die Kamera grinsen bedeutet nicht automatisch Zustimmung in die Veröffentlichung des Bildes

Gruppenbilder benötigen keine Einwilligung zur Veröffentlichung – FALSCH!

Die häufig anzutreffende Aussage, dass man bei Gruppenbildern keine Einwilligung für die Veröffentlichung der Bilder im Internet oder in den Sozialen Netzwerken (Facebook, Instagram, Snapchat, Twitter und Co.) benötigt, ist schlicht und ergreifend falsch.

Jeder Mensch hat ein sogenanntes Recht am eigenen Bild. Wollt ihr ein Gruppenbild bspw. bei Facebook posten, dann müsst ihr von allen Personen, die auf dem Bild zu erkennen sind, das Einverständnis für die Veröffentlichung einholen.

Mythos Gruppenbild Röttger

Ab einer bestimmten Anzahl von Personen entfällt die Erlaubnispflicht – FALSCH!

Auch der Mythos,  dass ab einer bestimmten Anzahl von abgebildeten Personen die Erlaubnispflicht zur Veröffentlichung des Bildes erlischt, entspricht nicht der Realität. Selbst für die Veröffentlichung von Klassenbildern mit 30 Schülern oder mehr benötigt man von jedem einzelnen, abgebildeten Schüler die Erlaubnis zur Veröffentlichung in Facebook oder im Internet.

 

Von jeder einzelnen Personen auf dem Bild benötigt man die Zustimmung tweet

Wenn alle abgebildeten Personen in die Kamera grinsen, haben sie automatisch in die Veröffentlichung eingewilligt – FALSCH!

Wer in die Kamera grinst, hat konkludent (stillschweigend) dazu eingewilligt, dass er fotografiert, aber nicht automatisch, dass das Foto im Internet oder bei Facebook veröffentlicht wird. Eine solch stillschweigende Einwilligung würde aber beispielsweise dann vorliegen, wenn man vor dem Fotografieren den Personen mitteilt, dass man ein Bild machen will, um es auf Facebook zu posten. Wenn trotz dieses Hinweises immer noch alle fröhlich in die Kamera grinsen oder winken, dann liegt eine stillschweigende Einwilligung zur Veröffentlichung vor.

ACHTUNG – Minderjährige

Bei Minderjährigen benötigt ihr auch die Einwilligung der erziehungsberechtigten Eltern.

TIPP: Was ist der beste und praktikabelste Weg bei der Einholung einer Einwilligung?

Man kann eine Einwilligung entweder schriftlich oder mündlich einholen. Die schriftliche Einwilligung ist zwar die sicherste Variante, jedoch im Alltag in der Regel völlig umständlich und realitätsfern.

Ein mündliche Zustimmung reicht schon völlig aus. Hier ist es hilfreich, wenn man einen Zeugen für die mündlich getroffene Vereinbarung hat, falls man sich später mit dem Fotografierten darüber im Streit befindet, ob eine Einwilligung erteilt worden ist oder nicht.

Genauso könnt ihr die fotografierten Personen vor der Anfertigung des Bildes darauf hinweisen, dass das Bild bspw. bei Facebook gepostet werden soll. Wenn die Leute dann immer noch fröhlich in die Kamera grinsen, erteilen sie dir ihre stillschweigende (konkludente) Einwilligung.

Einwilligung_Gruppenbild_veroeffentlichung+logo

Woher stammt der Mythos, dass man bei Gruppenbildern keine Einwilligung zur Veröffentlichung benötigt?

Den Ursprung des Mythos kenne ich nicht, kann ihn mir aber denken. Im Kunsturhebergesetz ist geregelt, wann man ein Personenbild veröffentlichen darf und wann nicht. Dort wird in § 23 Abs. 1 Nr. 3 KunstUrhG folgende Ausnahme von der Einwilligung in die Veröffentlichung geregelt:

Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben

Bilder von Versammlungen sind nicht mit Gruppenbildern oder Klassenfotos gleichzustellen. Diese Ausnahme ist nicht auf Gruppenbilder anzuwenden.

Ist die notwendige Einwilligung in die Veröffentlichung von Gruppenbildern überhaupt noch zeitgemäß?

Wenn man sich die technische und gesellschaftliche Entwicklung anschaut, scheint eine solche Erlaubnispflicht total veraltet und unpraktisch. Wir befinden uns in einem massiven Wandel. Die Kameraüberwachung in Städten ist schon Standard. Dass permanent Leute mit ihren Handys Fotos von allen möglichen Situationen machen, gehört zum Alltagsbild. Livestreaming wird auch bald im Mainstream ankommen. In fünf bis zehn Jahren wird es völlig normal sein, wenn man sich in die Öffentlichkeit begibt, dass man damit rechnen muss, dass Bilder von einem im Internet veröffentlicht werden. Ich gehe davon aus, dass sich die Gesetze diesem gesellschaftlichen Wandel sicherlich irgendwann anpassen werden.

Ob ich das gut finde? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht.

Was denkst du?

Mich interessiert eure Meinung dazu. Schreibt sie bitte in die Kommentare.

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Kommentar

  1. Wer nicht will,dass er von Anderen gesehen wird,der darf auch nicht auf die Straße oder sonstwohin gehen,denn da wird er ja auch von allen Anderen gesehen.Nur wer Dreck am Stecken hat muss sich verbergen,ich nicht.

    • Wenn ich mich auf die Straße begebe und gesehen werde, so handelt es sich um einen zeitlich begrenzten Akt, der auch nur von der entsprechende Umgebung wahrgenommen wird ob mir das gefällt, oder nicht. Richtig soweit. Ich werde von anderen gesehen, wahrgenommen oder auch nicht. Sobald jedoch ein Foto oder Video von mir dauerhaft auf irgendeiner Plattform erscheint. bin ich jedoch definitiv dagegen, da ich auch nicht dauerhaft an einem Ort stehen bleibe um gesehen zu werden, zumal ich hier die Kontrolle über den kausalen Zusammenhang meines Aufenthaltes verliere. Jemandem sein Recht abzusprechen bestimmen zu können wo er gesehen wird, halte ich für sehr kritisch. Hier hat die Selbstbestimmung höchste Priorität. Das Internet hat mehr Einfluss auf unser Leben, als viele wahrhaben wollen und kann nicht mit „nur wer Dreck am Stecken hat“ hat etwas zu verbergen klein geredet werden. Da Sie nichts zu verbergen haben lieber Hans Reichhart, würde ich mich freuen, falls Sie hier Ihre EMailadresse mit Passwort veröffentlichen. Wenn das reale Leben ins Internet ohne Probleme übertragen werden kann und Sie da kein Problem mit haben, so muss es auch mit der Übertragung des Internets auf das reale Leben gelten. Ich freue mich schon auf Ihre Daten, die ich ja wohl sicherlich nun bekommen werde, denn sonst muss ich ja annehmen, dass Sie etwas zu verbergen und Dreck am Stecken haben.

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