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Tiere und Urheberrecht?! Ein Affe schiesst ein Selfie und erlangt dadurch Weltruhm. Wer ist nun der Urheber? Der Affe oder der Fotograf, dessen Fotoapparat der Affe verwendet hat?

 

 

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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Peta hat nun Klage eingereicht – Klage auf Feststellung, dass der Affe der Urheber des Bildes sei. Wäre das in Deutschland denkbar?

Eine Erklärung am Beispiel des Selbstporträts des sechsjährigen Makaken Naruto, dem Affen und dem Fotografen David Slater.

Ist der Affe Urheber des Bildes?

Selfies sind als einfache Schnappschüsse lediglich als Lichtbilder gemäß § 72 UrhG einzustufen. Denn es erfordert – anders als ein Lichtbildwerk gem. § 2 Abs. 1 Nr. 5 UrhG – keine künstlerische Gestaltungkraft und ist durch keine inhaltliche Aussage geprägt. Nach § 72 Abs.1 UrhG sind die Vorschriften für Lichtbildwerke jedoch entsprechend anzuwenden.

Gem. § 15 Abs. 2 Nr. 2 i.V.m. §19 a UrhG steht das Recht der Veröffentlichung dem Urheber zu. Es stellt sich folglich die Frage, wer Urheber im vorliegenden Fall ist. Nach § 7 UrhG muss ein Urheber Schöpfer des eigenen Werkes sein. Gem. § 2 Abs. 2 UrhG, schütz das Gesetz Werke, die eine persönliche geistige Schöpfung darstellen.

Keine persönliche geistige Schöpfung

Auch in entsprechender Anwendung der Vorschriften wird man beim Affen bereits an diesem Wortlaut scheitern. Denn die Rede ist von einer persönlichen, geistigen Schöpfung. Die Schöpfung ist das Ergebnis eines Denkprozesses, wozu nur ein Mensch in der Lage ist (sein soll). Ebenso wenig wie Maschinen, können Tiere eine solche schöpferische Leistung im Sinne des deutschen Urheberrechtsgesetzes erbringen

Zwischenergebnis:

Damit kann der Affe keine Rechte nach deutschem Urheberrecht geltend machen. Eine persönliche, geistige Schöpfung ist nach einstimmiger Ansicht nur dem Menschen vorbestimmt.

Ist der Fotograf der Urheber des Bildes?

Möglicherweise ist der Fotograf, David Slater, der tatsächliche Urheber des Bildes und kann die ihm durch das Urheberrecht zustehenden Rechte geltend machen.

Es kommt die Frage auf, worin seine geistige Schöpfung bei der Entstehung des Bildes gesehen werden soll. Laut der Berichterstattung hat er lediglich sein Stativ mit der Kamera aufgestellt und diese für einen kurzen Moment aus den Augen gelassen. Er hat nicht einmal den Auslöser bedient. Somit können ihm die Schutzrechte des Urheberrechtsgesetzes grundsätzlich nicht zugesprochen werden.

Tier müsste gezielt dressiert worden sein

Ein urheberrechtlicher Schutz kann aber angenommen werden, wenn ein menschlicher Wille den Entstehungsprozess des Werkes beeinflusst. Somit könnten die Schutzrechte für David Slater nur angenommen werden, wenn er den Affen als „Hilfsmittel“ eingesetzt hätte, um das Lichtbild zu erzeugen. Hätte er ihn beispielsweise gezielt darauf dressiert, in einem bestimmten Augenblick den Auslöser abzudrücken, dann wären die erforderlichen Voraussetzungen erfüllt.

Folglich können auch für den Fotografen keine Rechte aus dem deutschen Urhebergesetz hergeleitet werden, da das Selfie ein reines Zufallsprodukt war und keinerlei menschlicher Wille hinter seinem Entstehungsprozess stand.

Kein urheberrechtlicher Schutz des Affen-Selfies

Im Ergebnis kann festgestellt werden, dass das streitgegenständliche Lichtbild nicht dem Schutz des deutschen Urheberrechts unterfällt, sodass daraus auch keine Leistungsrechte abgeleitet werden können. Ein entsprechender Prozess in Deutschland wäre demnach erfolglos.

Gilt diese rechtliche Einschätzung auch für Selfies von Schweinen, Pandabären und Schwanzlurchen?

Eindeutig ja. Auch anderen Tierarten ist derzeit jeglicher Schutz des deutschen Urheberrechtsgesetzes mangels der erforderlichen geistigen Schöpfung verwehrt, wenn diese mal wieder Selfies schießen sollten. Klagen in deren Namen hätten daher keine Aussicht auf Erfolg.

Autoren: Ref.iur Gutenmaher, RA Gulden

 

 

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