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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
Outlaw: draußen unterwegs, drinnen Anwalt
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In den letzten Monaten ist es zu zahlreichen Unfällen in den Alpen bei der Ausübung des Bergsports gekommen. Wanderer, Bergsteiger, Hochtourengeher und auch Kletterer und Klettersteiggeher sind zum Teil tödlich verunfallt.

In rechtlicher Hinsicht stellt sich im Falle eines Bergunfalls im Nachgang meist die Frage, ob der Verunglückte durch Eigenverschulden zu Schaden kam oder ob möglicherweise ein Dritter für den Schaden einzustehen hat.

Die Frage der Haftung für Unglücke und Schäden bei Bergtouren hängt maßgeblich davon ab, wie die Tour organisiert war. Es wird dabei zwischen Gemeinschaftstouren und Führungstouren auf der einen Seite und Führern sowie Führern aus Gefälligkeit auf der anderen Seite unterschieden.

Gemeinschaftstouren

Um eine Gemeinschaftstour handelt es sich bei Unternehmungen, die ohne eine vorgegebene Führung stattfinden. Die Gruppe entscheidet gemeinsam. Das Ziel, die Wege, aber auch wesentliche Entscheidungen wie den Abbruch der Tour, die Festlegung von Führungs- und Schlussmann, Absprachen über Sammelpunkte oder Zwischenfälle – dies alles wird gemeinsam entschieden. Gemeinschaftstouren zeichnen sich zudem durch den Umstand aus, dass sich die Teilnehmer kennen und nicht der Allgemeinheit zugänglich sind.lenin

Führungstour

Im Unterschied zur Gemeinschaftstour werden bei der Führungstour alle wesentlichen Entscheidungen vom sogenannten Führer übernommen. Er allein hat das Sagen über das komplette Geschehen der Gruppe und übernimmt auch die Verantwortung. Insbesondere informiert der Führer die Teilnehmer auch über die Schwierigkeiten und Gefahren der einzelnen Abschnitte einer Tour. Der Bergführer genießt das volle Vertrauen der Gruppe

Führer

Der Führer einer Bergtour trifft alle wichtigen Entscheidungen. Insbesondere legt er Ziel und Wege fest, gibt Rastpunkte bekannt, bestimmt den Führungs- und Schlussmann in einer Seilschaft und regelt das Verhalten der Teilnehmer bei unvorhergesehenen Zwischenfällen.

Führer aus Gefälligkeit

Wer in den Bergen unterwegs ist bekommt immer wieder zu hören, dass man als erfahrener Bergsportler lieber alleine in die Berge gehen sollte, da man für jeden hafte, der weniger erfahren sei.

Dies stimmt freilich nicht. Dennoch gilt auch hier, dass man sich als erfahrener Bergler nicht verschließen sollte, wenn Unvorhergesehenes geschieht. Unterlassene Hilfeleistung ist strafbar – auch in den Bergen.
Daneben gilt, dass keinen Alpinisten eine Grundsatzhaftung oder verschärfte Haftung trifft nur weil er besondere Kenntnisse und Fähigkeiten hat, die andere Bergtouristen nicht haben. Eine Haftung aus Gefälligkeit kommt nur unter sehr engen Voraussetzungen in Betracht.

Ein Bergsportler kann zum Führer aus Gefälligkeit werden, wenn er dies will und durch sein Verhalten auch zum Ausdruck bringt. Zur Bestimmung und Feststellung, ob sich eine Person während einer Tour zum faktischen Führer aufgeschwungen hat, bedarf es der genauen Analyse der jeweiligen Tour. Man kann hier keine Schablone anlegen, sondern muss mit Indizien arbeiten:

  • Hat der Führer aus Gefälligkeit Anweisungen erteilt?
  • Hat er das Wetter beurteilt?
  • Wege festgelegt?
  • Rastpunkte bestimmt? Sicherungsmaßnahmen durchgeführt?
  • Die Tour abgebrochen?

Zum faktischen Führer kann jedoch auch derjenige werden, der dem unerfahrenen wesentliche Dinge über die Tour verschweigt, wie z.B. deren Schwierigkeit oder Gefährlichkeit.

Rechtsfolgen

Sofern eine Gefahrengemeinschaft vorliegt kommt eine Haftung in Betracht. Der Führer haftet dann nicht nur auf Vorsatz und Fahrlässigkeit, sondern bereits für leichte Fahrlässigkeit. Zudem steigt die strafrechtliche Verantwortlichkeit.

Bergführer, Organisatoren von Führungstouren und Führer aus Gefälligkeit sind verpflichtet, die weiteren Teilnehmer aktiv vor Gefahren zu schützen. In Jedem Fall haften sie im Falle des Unterlassens.

Haftung von Sektionen und Bergschulen

Auch die Organisatoren im Hintergrund einer Tour können für einen Schadenseintritt haftbar gemacht werden, wenn der Führer der Tour schuldhaft einen Schaden verursacht. In diesen Fällen gilt es zu prüfen, ob dem Veranstalter möglicherweise ein Fehler bei der Auswahl der Tour unterlaufen ist.

Tipp für die Praxis

Für alle Bergsportler, die sich der verschärften Haftung nicht aussetzen wollen, kann die Vereinbarung einer Haftungsbegrenzung empfehlenswert sein. Sinngemäß wird in dieser mit den zu führenden Personen vereinbart, dass man nicht verschärft haften möchte, wenn ein Unfall geschieht. Unter Zeugen kann dies auch mündlich geschehen. Die Schriftform ist jedoch empfehlenswert. Im Zeitalter der Smartphones kann die Absprache auch aufgenommen werden.

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