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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Die Zahlungsmoral und Bereitschaft für anwaltliche Dienste zu zahlen wurde bereits ausgiebig beschrieben. Vor einigen Wochen kam es dann in dieser Hinsicht zum bisherigen Höhepunkt hinsichtlich dieses Selbstverständnisses in unserer Kanzlei. Wir bekamen eine Anfrage eines wohl politisch sehr aktiven Menschen. Er teilte mit, dass es zu Ungereimtheiten bei der Wahl zum Bundespräsidenten, zum ZDF-Intendanten und bei der Wahl zum Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt gekommen sei. Auf meine Frage, inwiefern er davon betroffen sei, entgegnete er, dass er jeweils nicht gewählt worden sei!!! Eine gewisse Vorahnung machte sich in mir breit. Contenance, Monsieur!

justice_pro_bonoAuf meine Nachfrage, welche Rechte denn seiner Auffassung nach verletzt seien, führte er folgenden Katalog an:

„Verletzung des Rechts auf den „gesetzlichen Richter“, Verletzung der Vorlagepflicht zum EuGH,

Verletzung der Garantien rechtlichen Gehörs, eines fairen Verfahrens, effektiven Rechtsschutzes,

(Politische) Diskriminierung, Verletzung der Begründungspflicht durch das BVerfG etc. pp..

Der Anfragende war der Auffassung, dass es so nicht mehr weiter gehen könne. Daher solle ich seine Fälle einer vollumfänglichen juristischen Prüfung unterziehen und dabei insbesondere die bisherige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts sowie des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) berücksichtigen.

Direkt bräuchte er ein „(Kurz-) gutachten“ zu den relevanten Themen zur Vorbereitung einer Beschwerde für den EGMR.

Das ist ja allerhand, dachte ich mir und teilte dem aufstrebenden Politiker mit, dass sich die Angelegenheiten sehr zeitintensiv gestalten könnten und zunächst mal eine Erstberatung angebracht wäre, um das Vorhaben und auch die Kosten der anwaltlichen Vertretung einzugrenzen. Damit hatte der aufstrebende Politiker wohl ebensowenig gerechnet wie ich mit seiner Reaktion. Er sei davon ausgegangen, dass wir das Ganze Pro bono für ihn übernehmen würden, für den guten Zweck, für die Verbesserung der Welt!

„Wissen Sie denn nicht, wer ich bin?“, fragte er.

Nein, dachte ich mir. Ich wusste es bis zu der Anfrage nicht. Warum auch?

Letzten Endes ist ein Mandatsverhältnis nicht zustande gekommen. Der aufstrebende Politiker füllt noch immer keines der gewünschten Ämter aus.

 

 

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Kommentar

11 Kommentare

  1. Herr Kollege,

    Ihnen hat wohl noch keiner erzählt, dass Geben seeliger ist denn Nehmen?

    Spaß beiseite. Manchmal macht es echt keinen Spaß mehr den Menschen zu erklären, dass unser Wissen das Gut ist, mit dem wir unsere Brötchen und unsere Miete verdienen und es deshalb nicht so einfach und ohne Gebühren ausplaudern.

    Beste Grüße
    SW

  2. Heutiger Anruf in meiner Kanzlei:

    „Ich Problem haben mit Vermieter, brauche Anwalt. Hat verboten Antenne. Wenn ich Dich beauftrage, muss ich zahlen?“
    „Grundsätzlich schon…“
    „Is mir zu teuer, tschüss!“

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  • Artikel: "Mein Navi hat gesponnen…" - jusmeum.de 16. April 2012

    […] (c) Wurde die Revision auch noch zugelassen? Nein. Aber es gibt ja die Nichtzulassungsbeschwerde und das hier geschilderte volle Arsenal. […]

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