Aus dem Alltag einer Medienkanzlei

Kostenloser Medienanwalt erwünscht – 100 % Frauenquote für ein gesundes Radiovergnügen

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anti_maennerstimmenEs gibt nichts, was es nicht gibt. Als Anwalt lernt man jeden Tag neue Menschen kennen, ab und zu ist auch mal ein Exemplar von der ganz schrägen Sorte dabei.

Vor einiger Zeit erhielt ich einen Anruf von einem Herren, der händeringend auf der Suche nach einem Rechtsanwalt für Medienrecht war. Aufgeregt teilte er mir mit, dass er es bisher alleine versucht hätte, seine Bemühungen aber im Sande verlaufen seien. Ich fragte ihn freundlich, wobei ich ihm behilflich sein könnte. Er antwortete, ich müsse gegen sämtliche Radiosender Deutschlands vorgehen.

Hier schwante mir bereits, dass dies kein alltägliches Gespräch werden würde.

„Warum?“, fragte ich erstaunt.

Er sei aus Gründen, die er nicht näher ausführen möchte, an seine Wohnung gebunden und würde den ganzen Tag Radio hören. Dies könne er zukünftig nicht mehr, ohne ernsthaften körperlichen und seelischen Schaden zu nehmen.

Ich wurde neugierig.

Ihm würde es seit Monaten schlecht gehen und bisher wusste er nicht woher sein Leiden herrührt. Eine Konsultation verschiedener Ärzte habe auch zu keinem Ergebnis geführt. Die Eigenanalyse habe ergeben, dass die Männer-Stimmen aus dem Radio die Wurzel allen Übels seien. Im Anschluss habe er alle Sender angerufen, mit denen er seinen Alltag vertreibt und diese aufgefordert sämtliche Moderatoren gegen Frauen auszutauschen. Vor meinem geistigen Auge sah ich schon Alice Schwarzer Freudensprünge vollführen. Ihm sei völlig unverständlich warum, aber zu seinem Entsetzen sei er mit seiner Forderung nach einer 100%igen Frauenquote im Radio bei den einzelnen Sendern abgeblitzt.

Daher würde er einen Anwalt für Medienrecht benötigen, der all seine Haussender auf die Einführung einer 100%igen Frauenquote verklagen solle. Er habe auch schon bei der Beratungshilfestelle vorgesprochen. Die wollten ihm aber keinen Schein ausstellen. Die müsse ich auch noch verklagen, denn er könne sich keinen Anwalt leisten.

„Möchten Sie eine ehrliche Einschätzung?“, entgegnete ich. „Ich glaube Don Quijote hat größer Erfolgsaussichten in seinem Kampf gegen die Windmühlen, als Sie in Ihrem Kampf gegen die Radiomoderatoren der Nation“. Diese Antwort schien ihm nicht zu gefallen. Erbost schrie er ins Telefon, dass sei alles eine Verschwörung gegen seine Person. Wir Medienanwälte würden mit den Sendern unter einer Decke stecken. Er könne diese widerlichen Männerstimmen im Radio nicht mehr hören. Sein Kampf sei noch nicht zu Ende.

Dann war die Leitung tot und der Kampf scheinbar bis heute nicht gewonnen…

Über Tobias Röttger

Beruf: Rechtsanwalt für Urheber-, Medien- und Persönlichkeitsrecht | Leidenschaften: Musik, Design, Foto, Reisen und Natur

4 Kommentare
  1. Nico sagt:

    Und in Bälde werden Sie diese Story bestimmt im Radio hören… das klingt nach einem dieser Scherzanrufe, die es inzwischen zu hauf auf CD zu kaufen gibt. ^^

    • Tobias Röttger sagt:

      Hallo Nico,

      das glaube ich nicht. Er hat an unterschiedlichen Tagen noch zwei bis drei Nachrichten auf dem AB hinterlassen und jedes mal mit eindringlicher Stimme gefordert, dass die widerlichen Männerstimmen aus dem Radio verschwinden müssen.

  2. LV sagt:

    Ich würde es allerdings auch begrüßen, wenn die Männerstimmen durch Frauenstimmen ersetzt würden. Wenn sich dann noch das Programm verbessern würde, gäbe es vielleicht auch wieder mehr Zuhörer. Ich kann mich noch gut an Radiosendungen vor über 20 Jahren erinnern. Da gab es manche Moderatorinnen, eine war bei NDR 2, die mit ihrer Stimme die Hörer bezauberten, die also so angenehm und symphatisch war, das es zahlreiche Fans gab. Auch ich gehörte dazu. Den Namen weiß ich aber leider nicht mehr. So gesehen, kann ich den Wunsch des Betreffenden durchaus nachvollziehen – auch wenn er leider nicht durchsetzbar sein wird. Vielleicht gibt es aber irgendwann mal eine technische Möglichkeit.

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