in Ansichten eines Anwalts

Intelligente Maschinen werden kommen und unsere Welt verändern. Dieser Tatsache ist sich nun auch die EU bewusst. Daher gibt es Überlegungen zu definieren, was „Intelligente Roboter“ sind. Zudem soll ein Rahmen geschaffen werden, um das Zusammenleben von KIs, Robotern und Menschen zu gestalten. Werden Roboter zu elektronischen Personen im Sinne des Gesetzes, ausgestattet mit Menschenrechten?

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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
Outlaw: draußen unterwegs, drinnen Anwalt
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Roboter werden von Menschen schon seit vielen Jahrzehnten eingesetzt, um das eigene Leben zu erleichtern. Gemein ist dieses Robotern bisher, dass sie in der Regel nicht intelligent sind. Eigene Entscheidungen zu treffen oder gar ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln – davon war bisher keine Rede – bisher!

Wir stehen mittlerweile jedoch vor einem technischem Evolutionsschritt, der Voraussicht verlangt.

Künstliche Intelligenz und Roboter sind auf dem Vormarsch und werden schon bald unsere Welt spürbar verändern. So bin ich absolut zuversichtlich, dass humanoide Roboter schon in naher Zukunft auch in die privaten Haushalte einziehen werden, um das Leben der Menschen weiter zu vereinfachen oder zu bereichern.

Es wird zum direkten Kontakt zwischen Mensch und intelligenter Maschine kommen.

Die Roboter werden sich dabei innerlich unterscheiden von den bisher bekannten unterhaltsamen Prototypen: Sie werden intelligent und sie werden sich darüber auch bewusst sein. Für viele Menschen mag das derzeit unvorstellbar sein, aber die technischen Voraussetzungen sind bereits gegeben. Das wird Folgen haben, deren Ausmaß bisher nur erahnt werden kann.

Diese Herausforderung für die Menschheit wurde auch auf EU-Ebene erkannt. Es gibt bereits spezielle Arbeitsgruppen, die sich mit der Thematik befassen. Es gibt bereits einen Vorschlag, wie man das künftige Leben von Menschen, künstlichen Intelligenzen und Robotern bestmöglich gestalten kann.

Ethische und rechtliche Fragen müssen beantwortet werden.

Jeder wird in naher Zukunft einen Roboter zu Hause haben, der die alltäglichen Haushaltsaufgaben erledigt. Staubsaugen, Fensterputzen, Müll entsorgen, Spülmaschine einräumen. Das ist lästig und kostet Zeit. Heute ein wertvolles Gut. Das sollen die Roboter machen. Rasenmähen nicht vergessen. Noch ist es so, dass heute für alle Dinge ein spezielles Gerät notwendig ist. Bald nicht mehr. Der Personal Home-Robby wird das erledigen. Äußerlich werden die neuen Lebenspartner immer humanoider. Liebesbeziehungen sind denkbar, wenn auch vorerst nur einseitig.

Wie soll diese Entwicklung geregelt werden? Sollte Sie geregelt werden? Lässt sich diese Evolution überhaupt regeln?

„Elektronische Person“

Wenn sich die künstlichen Intelligenzien weiterentwickeln – wovon ich ausgehe – stellt sich die Frage, wo die KIs in unserem Rechtssystem einzugliedern sind. Die KIs sind keine Menschen. Sie sind aber auch keine Maschinen mehr, wenn sie sich selbstständig weiter entwickeln können. Denkbar wäre die Anerkennung einer sog. „Elektronischen Person“. Sie ist keine natürliche Person, keine juristische Person, sondern „irgendetwas dazwischen“. Dieses „irgendetwas dazwischen“ sollte JETZT definiert werden. Die technische Evolution lässt sich nicht aufhalten. Wenn wir Menschen diesbezüglich kein Konzept, keinen Rahmen entwickeln, der den technischen Fortschritt dahingehend anerkennt, laufen wir Gefahr, dass uns die KIs überflügeln und unserer Freiheit womöglich berauben werden. Unvorstellbar? Wohl nicht. Blicken wir in die Gegenwart.

Status quo

Schauen wir uns an, was es heute bereits gibt:

Autonome Fahrzeuge, die bereits eigenständig Unfälle bauen können. Pflegeroboter, medizinische Roboter, Drohnen, die vernichten können und von alleine wachsen, Rasenmähroboter, die ihre Umgebung erlernen und entscheiden können, wo sie hinfahren und was sie mähen. Sexroboter, die ihre Dienste tun. Auch die Reparatur und Optimierung des Menschen ist in vollem Gange. Des ewige Leben wird angestrebt – seit Menschengedenken. Was, wenn die Ersatzteile, die menschlichen Anteile überwiegen? Wächst dann eine KI von innen nach außen?

Betrachtet man sich diese faktischen und bereits real existierenden Entwicklungen so sollte offensichtlich sein, dass ein erster notwendiger Ansatz die Anerkennung einer „Elektronischen Person“ in unserem (globalen) Rechtssystem wäre – ausgestattet mit Pflichten, aber auch mit Rechten.

 

Die elektronische Person – Ein Zwischending zwischen Mensch und Maschine tweet

 

Die KIs werden schon bald „Werke“ hervorbringen, die die menschliche Kunst in den Schatten stellen werden. Nicht als Ausfluss einer menschlichen Programmierung, sondern aus eigenen Antrieben. Hier wäre es abwegig, dieses Schaffen zu ignorieren, weil es kein originär menschliches Schaffen ist. Letzten Endes ist aber auch dieses Schaffen das Ergebnis eines Zusammenspiels von Atomen und Elektroimpulsen. Hier sollten wir nicht so tun, als sei dies nichts wert.

Künstliche Intelligenz in der Zukunft

In wenigen Jahren werden gefahrenträchtige Arbeiten ausnahmslos durch KIs erledigt werden. Räumung von Minenfeldern, Löschung von Bränden – ja, die gesamte Gefahrenabwehr und Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit werden elektronische Streifenpolizisten erledigen. Der Einsatz von Menschen wird zu kostenintensiv sein. Pflegeroboter werden 24/7 unterwegs sein und nicht meckern, nicht husten und nichts konsumieren, außer vorerst elektronische Energie.

Was geschieht nun, wenn die KIs anfangen Bilder zu malen? Wer ist dann der Urheber? Will man den KIs Rechte eingestehen oder deren Lizenznehmern, also den Menschen, die sich die KIs als Haushaltsgehilfen lizenzieren lassen?

Meine Prognose für die Zukunft:

 

Roboter mit künstlicher Intelligenz werden in Zukunft mit Rechten ausgestattet sein, die den Menschenrechten ähneln. tweet

 

Diese Rechte werden die KIs schützen, aber vor allen Dingen auch uns Menschen.

Wir sollten darauf bedacht sein, dass die KIs in der Lage sein werden, die Welt zu verändern. Dafür werden wir schon sorgen.

Nun sollten wir die Weichen dafür stellen, dass die Veränderung der Welt in unserer aller Sinne erfolgt.

 

 

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Kommentar

  1. Bis dahin gibt es noch einiges an Hürden zu überwinden. Energieverbrauch, Speicherkapazität, Leistung und und und…

    Mich wundert nur das wir uns schon Gedanken über Maschinen machen ob sie „leben“ könnten und schaffen es nicht mal zu erkennen das wir seit Jahrzehnten Leben als „Sachen“ betrachten und diese Ansicht entgegen jedwede Natur und Erkenntnis steht. Nein, ich bin kein Vegetarier, Veganer oder etwas ähnliches. Aber ich bin in der Lage zu erkennen das z.Bsp. Hunde mit Ihrer Umwelt interagieren, emotionale Verhältnisse entwickeln, ihr „Erlebtes“ in Träumen verarbeiten (was wohl ein Bewusstsein voraussetzt) oder nur ganz simpel eine Erinnerung und Bewertung ihrer Umwelt haben (z.Bsp. wenn der ein Hund im Wald an einem Baum riecht und einen Bekannten erschnüffelt und dann kurz mit dem Schwanz wedelt).

    Am Ende ist wohl nur ein Algorithmus der Leben einhaucht… ist es in der Evolution halt auch, nur etwas Komplizierter 🙂

    • Vielen Dank für den Kommentar. In der Tat ist es fragwürdig, ob Tieren nicht auch ein „Mehr“ an Rechten eingeräumt werden sollte. Die Überlegung hinsichtlich der Rechteeinräumung von oder für Maschinen ist vielleicht eher mit den Konstrukten der juristischen Personen vergleichbar. Daher wird es sicherlich ein Art „elektronische Person“ geben, der Rechte zuerkannt werden. Wir werden es wohl noch zu Lebzeiten erleben.

  2. Bislang kennen wir natürliche und juristische Personen. Vermutlich gibt es zukünftig eine dritte Gruppe, etwa „technische Personen“, die wie die juristischen Personen eine eigenständige Rechtsfähigkeit besitzen und ebenfalls durch eine Drittorganschaft (etwa einen „technischer Geschäftsführer“ oder einen „technischer Vorstand“ handeln. Eine Selbstorganschaft würde ich eher ausschließen – wenngleich hier entsprechend dem Recht der jur. Personen auch andere Modelle, sodann wie etwa die „Lehre von der technischen Verbandsperson“ oder eine „technische Fiktionstheorie denkbar wären – da die Verknüpfung zum Menschen nicht nur Ängste abbauen würde, sondern vor allem deshalb, weil das Recht eine Ordnung menschlichen Verhaltens bleiben sollte. Jedenfalls wird dies alles noch sehr spannend.

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