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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Vom bettelarmen Studenten zum möglichen Multimillionär. Diese Karriere könnte bald wahr werden für den Studenten Chong aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dieser wurde nach einer Razzia festgenommen, für unschuldig befunden, aber zurück in eine Zelle gesteckt und dort schlichtweg für die Dauer von fünf Tagen vergessen, wie bereits der Strafblog berichtete.infodocc_logo_10

Soweit, so schlecht. Eindeutig ein Freiheitsentzug, der nicht geduldet werden darf. Maßlos ist in diesem Zusammenhang jedoch mal wieder das Ansinnen der Anwälte, die nunmehr 20 Millionen Dollar Schadensersatz für den Freiheitsentzug verlangen. Zum Vergleich: Auch in Deutschland gibt es eine Haftentschädigung. Diese bewegt sich allerdings in ganz anderen Sphären. Wird man zu Unrecht eingesperrt kann man froh sein, wenn eine Entschädigung von etwa 500 Euro im Monat zugesprochen wird. Dies ist nicht viel, verhindert aber meines Erachtens, dass sachfremde Erwägungen ins Spiel kommen.

Dem (noch) armen Studenten wird es egal sein. Frieren und hungern wird er künftig wohl nicht mehr.

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Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Gulden,

    es ist richtig, dass eine Forderung von 20 Millionen Dollar unverhältnismäßig ist.

    Hier geht’s aber nicht nur um ungerechtfertigten Freiheitsentzug, sondern um eine Behandlung die beinahe zu einer fahrlässigen Tötung hätte führen können und definitiv eine Körperverletzung darstellt.

    So richtig erzürnt mich aber die Aussage, dass unsere Haftentschädigungen verhindern, dass „sachfremde Erwägungen“ ins Spiel kommen. Die Höhe der Haftentschädigungen in Deutschland ist ein Skandal. Die Höhe der Entschädigung ist durch sachfremde Erwägungen auf diesen erbärmlichen Betrag festgelegt. Hier greift vor allem der Gedanke, dass es den Staat möglichst wenig kosten darf, wenn er Menschen unrechtmäßig wegsperrt und dabei unüberschaubare (und vor allem auch kaum juristisch beweisbare) Folgen in der Psyche des Betroffenen auslöst.

    Durch die Festlegung der Entschädigung auf den aktuellen Satz wird zum weiteren auch kein erhöhter Druck auf die Justizbehörden ausgelöst, Haftentscheidungen mit mehr Sorgfalt zu treffen und z.B. bestimmte Gutachter und begutachtende Behörden kritischer zu hinterfragen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Martin Möller

    • Hallo Herr Möller,

      eine Haftentschädigung in Höhe von 500 Euro im Monat sind sicherlich ein Witz. Da bin ich völlig bei Ihnen. Genauso erscheinen aber auch Summen in Millionenhöhe für unbestritten fünf grausame Tage ebenso unverhältnismäßig.

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