in Ansichten eines Anwalts

Ein Brandanschlag auf einen veganen Supermarkt, Morddrohungen gegen den Inhaber eines veganen Restarants auf Facebook – was läuft da falsch?

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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Gestern habe ich mit dem Inhaber eines Restaurants gesprochen, der seine Fanpage auf Facebook gesperrt hat. Der Grund: Er bekommt Morddrohungen, weil er ein veganes Restaurant betreibt. Anderenorts wird ein veganer Supermarkt abgefackelt. Einfach so.

Wir sind angekommen im Internet der Dinge und viele Menschen scheinen jegliche Prägung menschlichen Daseins über Bord zu werfen, zumindest dann, wenn sie sich auf Facebook einloggen. Viele von diesen Menschen sind „always on“ und stets zu neuen Schandtaten bereit. Koste es was es wolle. Hauptsache zerstören. Eines der neuen Schlachtfelder oder besser gesagt Spielwiesen sind die Bewertungsmöglichkeiten, die das Internet bietet. Rechtschaffene Unternehmen, Ärzte und Betriebe werden in den Sog des Bewertungsabgrundes gezogen und plattgemacht. Einfach so.

Was soll man dazu sagen?

In rechtlicher Sicht sind die Fälle in der Regel eindeutig. Der Schund muss raus. Facebook bewegt sich mittlerweile auch recht schnell. Das löst aber nicht das Problem, da an anderer Stelle wieder 25 neue, schlechte Bewertungen auftauchen. Aber das ist nur das kleinere Übel.

Dramatisch sehe ich die Entwicklung, dass offen Morddrohungen gegen unbescholtene Bürger ausgesprochen werden, meist aus niedersten Beweggründen. Der Eine isst lieber Fleisch als Gemüse und schon geht es los – Es gibt Morddrohungen, weil Gemüse zum Verzehr angeboten wird. Geht`s noch?

Was muss sich ändern?

Ich denke, wir müssen ganz unten anfangen. In den Schulen, vielleicht sogar schon in den Kindergärten. Liebe Eltern, lasst doch den Fremdsprachenunterricht für Säuglinge links liegen und konzentriert euch auf die Medienausbildung und Erziehung eurer Kinder. Liebe Schulen, packt es ebenso an! Es reicht eben nicht, Donnerstags Nachmittags eine Stunde „Medien“ als exotische Abwechslung zu den klassischen Fächern anzubieten.

Aber auch die Politik ist gefragt. Die Vorbilder dort sind vom Aussterben bedroht, wie die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen.

Der Fisch stinkt eben von oben. Und dort oben stinkt es derzeit gewaltig.

Nun gut.

Die Frage, die ich mir stelle, ist folgende:

 

Warum findet der verbale Holocaust meist auf Facebook statt? tweet

 

Ist Facebook ein Sammelbecken der Unwissenden? Nein! Wenn ich mir die Nutzerzahlen Facebook anschaue, dann ist Facebook ein Querschnitt der Welt. Alles ist vertreten. Analog wie digital. Der Bäcker, die Frisörin, der Arzt, der Superstar und auch die Hebamme. Zugeben muss man allerdings, dass die Hemmschwelle derjenigen, die Wissensvakanzen vorweisen, besonders niedrig ist, in Sachen Bewertungen aktiv zu werden. Ich habe das Gefühl, dass dieses Phönomen in Deutschland besonders weit verbreitet ist. Vielleicht fühlen sich die Täter auf Facebook anonymer als anderswo. Die Klarnamenpflicht gibt es dort nicht. Unsere Gesetze wollen das auch nicht. Da hilft nur Aufklärung.

Ich denke, dass wir künftig ohnehin nicht mit den nationalen Gesetzen weiterkommen werden, um die bereits vorhandenen Probleme und Rechtsverstöße zu lösen. Wir müssen global denken und handeln und bereits heute damit anfangen, indem wir die Fähigkeit zu denken (re)aktivieren, beginnend mit dem nächsten Posting.

 

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Kommentar

  1. „Liebe Eltern, lasst doch den Fremdsprachenunterricht für Säuglinge links liegen“

    Da sind Sie doch glatt in Ihre eigene Falle getappt… Wer Respekt im Internet fordert, sollte mit gutem Beispiel vorangehen.

  2. Das ist das erste Mal, dass ich von Morddrohungen und angedrohten Brandanschlägen gegen einen Veganer bzw. gegen ein veganes Restaurant gehört habe. Sonst hört man immer nur, dass radikale Tierrechtler wieder mal einen Stall angezündet haben oder Inhaber von Metzgereien bedrohen. Und das beschränkt sich dann leider nicht immer nur auf Facebook!

    Nicht falsch verstehen: Unrecht ist Unrecht, völlig egal, wer es begangen hat. Auch Drohungen auf Facebook sind nicht zu tolerieren, sondern die Täter zu ermitteln, deren Profile zu sperren.

    Im übrigen sehe ich mich gezwungen die eklatante Fehleinschätzung des Autors zu berichtigen: Es geht bei weitem nicht nur um Menschen, die Gemüse essen und welche, die etwas dagegen haben. Es handelt sich bei Veganern und Tierrechtlern um radikale Weltanschauungen, die von manchen Anhängern mit allen Mitteln verteidigt werden.

    So spart die Nicht-Regierungsorganisation Peta nicht mit drastischen Bildern und Holocaust-Vergleichen und so auch deren Anhänger. Die Szene ist gut organisiert und der harte Kern offenbar durchaus bereit Anschläge zu verüben und Menschenleben bewusst zu gefährden. Die Täter werden von Mitwissern geschützt und die Taten von vielen Tierrechtlern gebilligt.

    Dabei geht es um reale Taten, nicht nur Androhungen auf Facebook. Letzere sind zwar auch nicht zu entschuldigen, aber zwischen einem Facebook-Kommentar und einem tatsächlichen Brandanschlag. Das überaus Gefährliche an den Tierrechtlern ist, dass sie Tieren die gleichen Rechte zugestehen, wie dem Menschen und dass sie Menschen, die Tiere aus ihrer Sicht wie in einem KZ halten, um an ihnen einen „Massenmord“ zu begehen, die Menschenrechte absprechen. Kurzum: Es handelt sich um eine Menschen verachtende Ideologie.

  3. Noch eine Anmerkung zu Bewertungen: Da wird oft unglaublich übertrieben! Ein einzelne Negativbewertung zerstört keine Existenz. Das anzunehmen ist schon hanebüchen. Der Leser kann sich durchaus selbst ein Urteil bilden und weiß einzelne Negativkommentare durchaus einzuschätzen. So würde ich zum Beispiel nie auf die Idee kommen, ein Restaurant zu meiden, nur weil es einen Negativkommentar in schlechtem Deutsch gibt, der schon sprachlich kaum nachvollziehbar ist. Stehen dem etliche positive Bewertungen gegenüber, ist die Sachlage auch einem unbedarften Leser recht schnell klar.

    Schwieriger wird es bei Botnetzen und Shitstorms. Wer zu einem Shitstorm aufruft, sollte für die Folgen zur Verantwortung gezogen werden. Und wer sogar hohen technischen Aufwand betreibt, um jemandem zu schaden, der ist in meinen Augen doch sowieso hoch kriminell.

    Dass sich jedoch auch die Ungebildeten in der Gesellschaft auf Facebook und Co zu Wort melden, ist nun mal so. Es ist einfach zu dumm, dass es im Internet keine getrennten Wohnbezirke für Asoziale einerseits und Leistungsträger andererseits gibt. Einfach weggucken ist also nicht. Das tut mir aber auch gar nicht leid, wirklich nicht.

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