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Peeple, eine App zum Bewerten von Menschen, dürfte in vielfacher Hinsicht gegen  das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verstoßen und künftig die Persönlichkeitsrechte vieler Menschen verletzen.

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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
Outlaw: draußen unterwegs, drinnen Anwalt
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Peeple, die App, mit der man ab November Menschen ohne deren Zustimmung bewerten kann, stößt auf juristische Bedenken. Es geht um Persönlichkeitsrechte und mehr.

Die App Peeple ermöglicht es den Nutzern, andere Menschen in drei Kategorien zu bewerten:

Professionally, Personally, and Dating  tweet

Es können Sterne vergeben werden (1-5) sowie ein Fließtext, der mit einem Titel versehen wird.

Und jetzt wird es fatal:

Es können alle Personen dieses Erdballes bewertet werden, deren Handynummer bekannt ist. Voraussetzung ist also nicht etwa, dass die bewertenden Personen der Peeple-Community angehören, nein. Wer einen anderen Menschen bewerten will, der selbst kein Peeple Anhänger ist, der kann für diesen Menschen ein Profil anlegen und dann loslegen. Alles nachzulesen in Peeples FAQ-Liste.

Und jetzt kommt noch die Butter aufs Brot: Peeple teilt mit, dass derzeit keine Möglichkeit bestehe, sich selbst aus Peeple auszutragen:

Can I take myself off of Peeple?
No. Not at this time. We may consider this feature in the future.
tweet

Das geht nicht, liebe Macher von Peeple!

Eine digitale Ausschlachtung und Anprangerung par excellence! tweet

Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Schritt vollzogen würde, Menschen mit einer App zu qualifizieren und auch zu bewerten. Peeple schließt die nie vorhandene Lücke zwischen den Bewertungsplattformen und Social Medias und dürfte künftig auch für rechtliches Aufsehen sorgen.

Wo liegen die rechtlichen Bedenken?

Was ist juristisch betrachtet, so schlimm an der App?

Ganz einfach:

Die öffentliche Anprangerung durch die App Peeple ist rechtswidrig und kann strafbar sein tweet

Unzulässig und eine schwerwiegende Verletzung der jeweiligen Persönlichkeitsrechte ist die Anprangerung von Menschen durch diese Form der Bewertungsmöglichkeit, da sie sich der Bewertung nicht entziehen können.

Dies verletzt das Recht auf die informationelle Selbstbestimmung. Werden auch noch Bildnisse der Personen und weitere Daten dem Profil zugeordnet, dann liegen auch massive Verstöße gegen das Recht am eigenen Bild vor.

Wer haftet für die Verstöße?

Personen, deren Persönlichkeitsrechte durch die App Peeple verletzt werden, können sowohl gegen die Ersteller des Profils vorgehen als auch gegen die Betreiber der App.

Peeple haftet mit Kenntnisnahme der jeweiligen Rechtsverletzung.

Fazit:

Den Betreibern von Peeple ist dringend anzuraten, die Möglichkeit, fremde Profile anzulegen, zu überdenken, wenn sie über die Beta-Phase hinausgehen wollen. Personen, die mit dem Gedanken spielen, dieser Community beizutreten sollten bedenken, dass sie sich zivilrechtlich haftbar und auch strafbar machen können, wenn sie ungefragt Bildnisse von anderen Menschen verwenden und eigenmächtig Profile anlegen.

Update
Datum 2015-10-05 Uhrzeit 12:00 Uhr:

Die Seiten der APP Peeple sind im Moment nicht mehr abrufbar.

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Kommentar

  1. Hallo, die Seite ist wieder on, man kann sich im Moment unter „join the waiting-list“ vormerken lassen…und beta-tester werden.

    was ich nicht probieren möchte. Weil ich nicht bewertet werden will. Schon gar nicht im Internet. Und auch selber nicht bewerten möchte….

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