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Peinlich: Illegale Downloads aus dem Élysée-Palast

Tobias Röttger
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Rechtsanwalt Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
Blogger, YouTuber, Rechtsanwalt und Gesellschafter von gulden röttger | rechtsanwälte. Meine Steckenpferde sind das Geistige Eigentum, Social Media, Persönlichkeitsrechte, Internet und Musik.
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Russischer Internet-Pranger für illegal Filesharer stellt BitTorrent-Downloads von IP-Adressen des Élysée-Palastes in Paris fest.

Nicolas Sarkozy macht sich für das Urheberrecht stark und ist ein Verfechter strenger Gesetze gegen die unerlaubte Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Werken. Umso peinlicher ist es, dass nun bekannt wurde, dass aus seinem Amtssitz, dem Élysée-Palast in Paris illegale Downloads aus dem Internet stattgefunden haben sollen.

Ermittelt wurden die illegalen Downloads jedoch nicht von Behörden oder Detektiven der Medienindustrie, sondern vom Team der russischen Website youhavedownloaded.com, die das Bit-TorrentNetz stichprobenartig überwacht. Die festgestellten Downloads werden in einer für jedermann einsehbaren Datenbank festgehalten. Dort finden sich nun auch mehrere Einträge aus dem November und dem Dezember 2011, die auf IP-Adressen aus dem Adressbereich des Élysée-Palastes (62.160.71.0 bis 62.160.71.255) verweisen. So wurde beispielsweise laut einem Eintrag im November der Film Tower Heist von der IP-Adresse 62.160.71.2 heruntergeladen. Auch für andere Adressen aus diesem Bereich wird man fündig, es wurden angeblich weitere Filme sowie die Greatest Hits der Beach Boys heruntergeladen.

Unehrliche Mitarbeiter?

Natürlich kann man nicht behaupten, dass Nicolas Sarkozy selbst illegal Daten gesaugt hat: In seinem Amtssitz wohnen und arbeiten eine ganze Anzahl Leute und von denen kommt nun natürlich praktisch jeder in Frage, der dort Zugang zu den entsprechenden Computern hat. Außerdem ist der Eintrag in der Datenbank lediglich eine Behauptung ohne Beweis und an sich schon fragwürdig.

Dennoch ist es peinlich, dass ein Politiker, der sich für die strenge Verfolgung von Verstößen gegen das Urheberrecht stark macht, möglicherweise mit einem oder gar mehreren Menschen unter einem Dach lebt und/oder arbeitet, die das Urheberrecht missachten. Dass von youhavedownloaded.com nicht nur eine, sondern sogar mehrere Adressen erfasst wurden, über die illegale Downloads stattgefunden haben, legt es sogar nahe, dass es sich tatsächlich um mehrere Leute handelt, die zumindest für ihren eigenen Lebensbereich nicht mit dem übereinstimmen, was ihr Dienstherr mit seiner Politik anstrebt.

Was nun, wie golem.de süffisant anmerkt, allerdings nicht bekannt ist, ist, ob sich die für die Bekämpfung illegalen Filesharings in Frankreich zuständige Hadopi-Behörde bereits für das amtliche Domizil des Präsidenten interessiert. Es wäre ja immerhin möglich, dass diese Behörde auch Hinweisen wie denen von youhavedownloaded.com nachgeht und dort angeprangerte User gezielt überprüft sofern sie in ihrem Zuständigkeitsbereich leben. Und im Internet bekanntgeworden ist die Sache allemal.

Nicht der einzige Fall

Übrigens sind die illegalen Downloads aus dem Élysée-Palast nicht der einzige Fall, in dem illegale Downloads aus Häusern getätigt worden sein sollen, wo man ein solches Verhalten nicht erwarten sollte. Auf der Seite TorrentFreak.com wird nämlich berichtet, dass auch von IP-Adressen aus illegal gedownloadet worden sei, die sich solchen Unternehmen der Medienindustrie zuordnen lassen, die stark an der Bekämpfung des illegalen Datenaustauschs interessiert sind: Bei Sony Pictures, NBC Universal und Fox Entertainment und weiteren Firmen, soll es TorrentFreak zufolge offenbar Mitarbeiter geben, die das BitTorrent-Netzwerk nutzen, um in den Genuss kostenloser Unterhaltung zu gelangen und damit wohl auch mehr oder weniger gegen die Treuepflicht gegenüber ihrem Arbeitgeber verstoßen.

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