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Oh Mist! Zwei Filme und vier Folgen unterschiedlicher Serien wie The Walking Dead, Family Guy und The Simpsons über Popcorn Time angeschaut und jetzt zwei Abmahnungen von Waldorf Frommer und Sasse und Partner kassiert. Gesamtforderung schlappe 2.581,30 €. Das hat sich ja gelohnt!

Tobias Röttger
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Tobias Röttger

Rechtsanwalt Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
Blogger, YouTuber, Rechtsanwalt und Gesellschafter von gulden röttger | rechtsanwälte. Meine Steckenpferde sind das Geistige Eigentum, Social Media, Persönlichkeitsrechte, Internet und Musik.
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Dafür hätte man ein Netflix oder Watchever-Streaming-Abo mit einer Laufzeit von ca. 21 Jahren abschließen, in ca. 250 Kinovorstellungen gehen oder ca. 200 DVDs / BlueRays kaufen können. Hätte, hätte bringt jetzt nichts mehr – das Kind ist in den Brunnen gefallen! Wer ist schuld?

Nicht nur der böse Popcorn Time User, der dem illegalen und kostenlosen Film- und Seriengenuss fröhnt und die „raffgierige“ Contentindustrie, die völlig „überteuerte“ Produkte auf den Markt wirft und mit ihrer auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Veröffentlichungspolitik die Film- und Serienjunkies in den Wahnsinn und die Illegalität treibt – so zumindest häufig die Ansicht der betroffenen „Abmahnopfer“ – sind schuld.

 

Auch einige Medien haben ihr Scherflein dazu beigetragen. tweet

 

Als Popcorn Time auf den Markt kam, wurde das breite Film- und Serienangebot sowie die nutzerfreundliche Oberfläche und sehr gute Usability von vielen Medien unkritisch über den grünen Klee gelobt. Man merke: schon damals war bekannt, dass es sich gerade nicht um ein reines Streaming-Tool handelte, sondern ein Tool, welches die Torrent-Technologie verwendet.

 

Der Höhepunkt der fragwürdigen Berichterstattung in Sachen Popcorn Time ist für mich dann erreicht, wenn Journalisten trotz der klaren Rechtslage eine indirekte Empfehlung für die Nutzung von Popcorn Time aussprechen. tweet

 

Oder wie soll man folgenden Absatz in einem Curved Artikel zum Thema Popcorn Time – ein Tech-Magazin der E-Plus Gruppe – deuten:

„Da aber nicht genau geklärt ist, wie und in welchem Ausmaß Popcorn Time die Filme auf Eurem Gerät speichert und/oder auch anderen Nutzern damit verfügbar macht, warnt eine auf IT-Recht spezialisierte Kanzlei vor der Nutzung. Deshalb nutzt Ihr die App (PlayStore) auf eigene Gefahr. Wenn man aber das Angebot betrachtet, könnte es das durchaus wert sein.“

Die Rechtslage war auch schon damals (09.05.2014) eindeutig geklärt, worauf ich den Redakteur direkt in den Kommentaren hinwies. Mensch Leute, Popcorn Time verwendet von Beginn an P2P (Torrent) Technologie. Datenuploads finden statt. Seit mehreren Jahren wurden bereits mehrere hunderttausend Filesharing User wegen der Nutzung von P2P Tauschbörsen abgemahnt. Wie kann man dann von einem Graubereich sprechen und wider besseren Wissens noch bis heute behaupten – die Passagen wurden bis heute nicht abgeändert und sind weiterhin abrufbar – die Rechtslage sei nicht eindeutig geklärt? Die tausenden von Popcorn Time Abmahnungen sprechen da eine andere eindeutige Sprache.

Ganz klare Ansage:

 

Nein, das Angebot von Popcorn Time ist es nicht wert, die ernsthaft bestehende Gefahr einer Abmahnung in Kauf zu nehmen!    tweet

 

Fazit:

Am Ende zahlst nur du, lieber Popcorn Time User, die Zeche. Daher Finger weg von Popcorn Time, auch wenn dir Mancher was anderes einreden will!

5 Gründe warum man in Deutschland kein Popcorn Time verwenden sollte:

  • Popcorn Time ist kein reines Streaming Programm
  • Popcorn Time verwendet die Torrent-Technologie und birgt damit die gleichen rechtlichen Probleme wie auch P2P / Filesharing Tauschbörsen
  • Der Upload der angeschauten Filme und Serien findet unbemerkt im Hintergrund statt
  • Mangelnde Kenntnis vom Upload ändert nichts an der Tatsache der Urheberrechtsverletzung
  • Popcorn Time User werden flächendeckend abgemahnt

 

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Kommentar

  1. Ich weis, dass mir die versammelte Jurisdtenschaft hier wiedersprechen wird, aber: Wer ein reines Abmahnschreiben per normaler Post von Sasse& Partnern oder ähnlichen Schweineanwälten bekommt, braucht erst mal gar nichts zu tun. Denn: Wo ist der Beweis, dass Sie das Abmahn-Schreiben je erhalten haben? Täglich erreichen 100erte von Briefsendungen ihren Empfänger nicht. Ich habs durchexerziert: vor ein paar Jahren Abmahnung von schwein (äh sasse) & partner wegen angeblichem Download einer „The-Walking-Dead“-Folge und nix getan. Ein halbes Jahr später kam dann nochmals ein Briefchen von wegen letzte Chance auf Zahlung einer lächerlich hohen Abmahngebühr – auch dieses Schreiben in die Rundablage. Seitdem Ruhe. Die Probleme beginnen leider erst, wenn man auf die Abmahnung (per normaler Post, eben nicht per Einschreiben oder Postzustellungsurkunde) reagiert und damit zugibt, die Abmahnung überhaupt erhalten zu haben. Aber auch dann kann man oft genug beweisen, dass die Art und Weise, wie die angeblichen Beweise für die angebliche Urheberrechtsverletzung gewonnen wurden, nicht rechtskonform war…

    • Der Leitsatz der Entscheidung I ZB 17/06 des Bundesgerichtshofes lautet: „Den Beklagten, der im Wettbewerbsprozess auf die Klageerhebung hin eine straf- bewehrte Unterlassungserklärung abgegeben hat und geltend macht, ihm sei die Abmahnung des Klägers nicht zugegangen, trifft grundsätzlich die Darlegungs- und Beweislast für die Voraussetzungen einer dem Kläger die Prozesskosten auf- erlegenden Entscheidung nach § 93 ZPO. Im Rahmen der sekundären Darlegungslast ist der Kläger lediglich gehalten, substantiiert darzulegen, dass das Abmahnschreiben abgesandt worden ist. Kann nicht festgestellt werden, ob das Abmahnschreiben dem Beklagten zugegangen ist oder nicht, ist für eine Kostenentscheidung nach § 93 ZPO kein Raum.“.

      Ich sehe kein einziges Argument, warum das im Urheberrecht anders sein sollte.

      Kurzfassung also: beschissene Idee, weil hochriskant.

    • Meine Tochter hat auch ein Mahnschreiben erhalten. Waldorf und frommer heißen die anwälte. Du meinst also man soll das ignorieren? Meine Tochter ist total verzweifelt!

  2. In Zeiten von Jdownloader+Hostern wie Media-Playern+externen Festplatten völlig unverständlich, wie man sich auf das riskante Streaming überhaupt einlassen kann. Hoster haben natürlich auch bissel „Geschmäckle“ ist jedoch eher für den Uploader riskant, als für den Downloader verschlüsselter Objekte, auch wenn es faktisch natürlich illegal bleibt.

    Übrigens bei YouTube alles mögliche zu downloaden ist völlig legal, solange man deren AGB nicht akzeptiert, was sich auf das Einloggen bezieht, von aussen gibt es diese Option nicht. Man sollte z.B. Bluray´s Standartmäßig für 6,00,- EUR das Stück verkaufen, egal ob Neuheiten oder Klassiker, dann kaufen wieder vielmehr , weil man die Press-Qualität (Disc bezogen) ansich ja schätzen kann, denn der Kinomarkt hat meist die ursprünglichen Unkosten schon längst wieder raus.

    Und „Verluste“ sind immer ein Theoriebegriff nach dem Motto „was wäre wenn“. Lucas, Spielberg und Schwarzenegger, wie auch die Studios (denen heute auch Nachrichten-Konzerne gehören), geht es auch trotz Raubkopien ganz ansehnlich. Man schafft sich lieber Feinde, statt Kunden und zeitgemäß zu denken.

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