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Auf einem verwackelten Video sind ein einsamer Spielplatz und ein schmächtiger Zwanzigjähriger zu sehen. Mit breitem Grinsen breitet er intime Sexdetails über eine 14 jähriges Mädchen aus. Ganz unbekannt ist der Junge „Young Billionaire“ nicht, bekam er doch bereits für ein vergangenes Video Besuch von der Polizei.

Tobias Röttger
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Tobias Röttger

Rechtsanwalt Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
Blogger, YouTuber, Rechtsanwalt und Gesellschafter von gulden röttger | rechtsanwälte. Meine Steckenpferde sind das Geistige Eigentum, Social Media, Persönlichkeitsrechte, Internet und Musik.
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Die Technik und Verbreitungsplattformen entwickeln sich weiter und im Gleichschritt auch die Rachemethoden diverser Subjekte. Rachepornos sind seit einigen Jahren der letzte Schrei, welche nicht nur moralisch höchst verwerflich sind, sondern auch massive strafrechtliche und zivilrechtliche Folgen für den Rächer haben können.

Es muss ja nicht immer gleich ein Racheporno sein. Manche erzählen intime Geschichten aus dem Sexualleben anderer Personen, um diese in der Öffentlichkeit zu diskreditieren. Ist das erlaubt, wenn die „Sexgeschichten“ der Wahrheit entsprechen? Es heißt ja immer, wahre Tatsachenbehauptungen darf man veröffentlichen.

Klare Antwort – NEIN! tweet

Solche Sexgeschichten betreffen die Intimsphäre des Betroffenen und die Intimsphäre genießt absoluten Schutz unabhängig davon, ob die intimen Details der Wahrheit entsprechen oder auch nicht. Der Schutz der Intimsphäre ist umfassend und gilt für jeden, auch für Promis. Hier besteht einfach kein schützenswertes Informationsinteresse der Öffentlichkeit. Etwas anderes ist das bspw. bei einem Pornostar, der selbst sein Sexleben in die Öffentlichkeit trägt.

Muss man den vollen Namen und die Adresse der betroffenen Person nennen, damit man sich strafbar macht oder zivilrechtlich in Haftung genommen werden kann?

NEIN! Wenn die betroffene Person derart beschrieben wird, dass sie für einen größeren Personenkreis erkennbar ist, genügt dies für eine notwendige Identifizierbarkeit aus.

Ein „schönes“ Beispiel liefert der in der Einleitung angesprochene YouTuber „Young Billionaire“, der mit einem geschmacklosen Video über die Opfer des German Wings Absturzes nicht nur zahlreiche User aus den Sozialen Netzwerken gegen sich aufbrachte, sondern auch Besuch von der Polizei bekam. Wegen der im Video enthaltenen Beleidigungen und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener wurde gegen ihn Anzeige erstattet. Das Video wurde im Anschluss gelöscht.

In einem aktuellen Video will er sich an diversen Personen rächen und diese bloßstellen. In dem Video berichtet er über sexuelle Handlungen, die er mit einer 14 Jährigen hatte. Er selbst geht davon aus, dass er keinen Ärger bekommen kann, da er nicht ihren Nachnamen genannt hat.

Dieser Irrtum kann ziemlich ins Auge gehen. tweet

Er nennt im Video ihren

  • Vornamen,
  • das Alter,
  • die Stadt, in der das minderjährige Mädchen wohnt,
  • die Schule, in diese sie geht,
  • den Vornamen ihres Ex-Freundes, sowie die Klasse, in die dieser geht
  • und den Vornamen und das Alter des aktuellen Freundes.

Wenn diese Angaben tatsächlich der Wahrheit entsprechen, ist das betroffene Mädchen für einen größeren Personenkreis (Eltern, Verwandte, Bekannte, Lehrer und Mitschüler) eindeutig zu identifizieren und somit die Voraussetzungen einer Persönlichkeitsrechtsverletzung und unter Umständen der Tatbestand der Beleidigung erfüllt. Hier bestehen dann Ansprüche auf Unterlassung, Löschung und ggf. auf Geldentschädigung. Zivilrechtlich sollte man im Wege einer Abmahnung bzw. einer Einstweiligen Verfügung gegen eine solche Persönlichkeitsrechtsverletzung vorgehen und parallel Strafanzeige stellen.

Ein solches „Rache -Video“ hat nur einen Zweck, die betroffene Person in der Öffentlichkeit bloßzustellen und den Mobbing-Attacken der Mitschüler auszusetzen. Auf die Meinungsfreiheit kann man sich dann nicht mehr berufen.

Fazit

Man kann nur hoffen, dass diese Versuche krampfhaft durch reine Provokation erfolgreich zu werden, keine Schule machen und zum Scheitern verurteilt sind. Betroffene sollten alle Register ziehen und sich gegen solche Bloßstellungen wehren.

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  • Die Wahrheit über … kann doch juristische Folgen haben!

    […] (Screenshot & Zitate: GGR-Law) […]

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