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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
Outlaw: draußen unterwegs, drinnen Anwalt
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Das Verwaltungsgericht Hannover hat die Klage des Fernsehsenders RTL gegen die Beanstandung der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) einer Folge der inzwischen eingestellten Reihe „Die Super Nanny“ abgewiesen. Das VG entschied, dass die Ausstrahlung einer Super Nanny- Folge gegen die Menschenwürde der in der Sendung gezeigten Kinder verstößt (VG Hannover, Urteil vom 08.07.2014, Az.: 7 A 4679/12). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Super Nanny KJM

Massive Gewalt an Kindern wurde für kommerzielle Zwecke instrumentalisiert

In der beanstandeten Folge hatte die Mutter ihre Kinder im Alter von drei, vier und sieben Jahren vor laufenden Kameras massiv beschimpft, bedroht und geschlagen. RTL schnitt und wiederholte die Szenen mehrfach und band die Szenen zur Bewerbung der Folge in einen sog. „Teaser“ ein. Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e.V. (FSF) hatte vorab gegen die Ausstrahlung der Sendung keine Bedenken und verneinte auch das Vorliegen eines Verstoßes gegen die Menschenwürde. Die KJM beanstandete dagegen, dass „eine so reißerische Darstellung primär auf den Voyeurismus der Zuschauer zielt“. Die Kinder würden in für sie leidvollen Situationen für kommerzielle Zwecke instrumentalisiert. Das verstoße gegen die Menschenwürde.

Kinder sind völlig ausgeliefert und zu Objekten der Zurschaustellung herabgewürdigt

Das VG Hannover bestätige nun die Sichtweise der KJM. Die Mutter habe gegen das Recht ihrer Kinder auf gewaltfreie Erziehung sowie das Verbot körperlicher Bestrafung, seelischer Verletzung und anderer entwürdigender Maßnahmen verstoßen. Die Menschwürde der beteiligten Kinder verbiete die wiederholte öffentliche Darstellung dieser Gewalthandlungen. Die Kinder seien neben ihrer Mutter auch dem ständig präsenten Kamerateam, welches erst nach mehrmaligen Verstößen eingriff, völlig „ausgeliefert und zu Objekten der Zurschaustellung herabgewürdigt“ worden. Das ist besonders schlimm, da Kinder sich nicht wehren können.

Fazit: Urteil ist konsequent – die Würde des Menschen ist unantastbar

Art. 1 Abs. 1 GG besagt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Diese oberste Maxime allen Handelns hat das Gericht insbesondere für besonders schutzwürdige Kinder konsequent durchgesetzt. Richtig so! Das ursprünglich angepriesene Konzept der Sendung „Die Super Nanny“, nämlich pädagogische Inhalte zu transportieren, wurde von RTL bereits nach einiger Zeit völlig verlassen. Die Privatsender begnügen sich für ihre meisten Sendungen ohnehin nur noch damit, die beteiligten Personen öffentlich bloßzustellen – das verspricht hohe Einschaltquoten. Wenn volljährige Beteiligte das freiwillig mit sich machen lassen, ist das wohl deren Problem. Allerdings dürfen kleine Kinder nicht darunter leiden.

 RA Stoll

 

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