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Der Konsum digitaler Inhalte über Mobilgeräte wie Smartphones, Tablets, etc. nimmt stetig zu. Davon sind auch Fernsehsender wie ARD, ZDF, RTL, ProSieben, Sat.1 und Co. betroffen. Die Programme der Öffentlich-Rechtlichen kann man per Streaming über deren Internetseiten oder Apps auf dem Smartphone verfolgen. Bei den Privatsendern ist dies nicht direkt möglich, hierzu benötigt man Drittanbieter wie Zattoo oder schoener-fernsehen.com. Aber ist die Nutzung von schoener-fernsehen.com überhaupt legal?

Tobias Röttger
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Rechtsanwalt Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
Blogger, YouTuber, Rechtsanwalt und Gesellschafter von gulden röttger | rechtsanwälte. Meine Steckenpferde sind das Geistige Eigentum, Social Media, Persönlichkeitsrechte, Internet und Musik.
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Zattoo vs. schoener-fernsehen.com

Neben Zattoo existiert unter anderem der Anbieter schoener-fernsehen.com. Schoener-fernsehen.com hat laut similarweb.com im Monat ca. 5.2 Millionen Seitenzugriffe und bietet über 30 Sender, darunter auch die Programme der RTL Group und von ProSieben und Sat.1. Das bemerkenswerte an schoener-fernsehen.com ist, die laut ihrem Impressum ihren Sitz auf den Seychellen haben, dass man dort alle Programme, auch die von RTL, ProSieben und Sat.1, kostenfrei anschauen kann. Bei dem Konkurrenten Zattoo, von dem man weiß, dass dieser Lizenzen von den Fernsehanstalten erworben hat, muss man gerade für diese Sender bezahlen. Dort sind nur die Öffentlich-Rechtlichen kostenfrei.

Ein weiterer Unterschied zwischen Zattoo und schoener-fernsehen.com ist, dass schoener-fernsehen.com die peer-to-peer Technologie verwendet, ähnlich wie bei Tauschbörsen wie Bittorrent und Co. Der User von schoener-fernsehen.com bekommt folgende Aufforderung eingeblendet:

„Peer-Assisted-Networking

p2p.peer-stream.com kann Peer-Assisted-Networking verwenden. Möchten Sie den Zugriff auf Ihre Uploadbandbreite zulassen? “

Mehre Selbstversuche haben immer zum gleichen Ergebnis geführt, wenn ich den Zugriff auf meine Uploadbandbreite verweigert habe, wurde die gewählte Sendung auch nicht angezeigt, sondern nur ein schwarzer Bildschirm.

Ist die Nutzung von schoener-fernsehen.com legal oder illegal

Wenn wie im vorliegenden Fall die Peer-to-Peer (Tauschbörsen-) Technologie zum Einsatz kommt und der Nutzer die Dateiteile der angeschauten Sendung im Hintergrund, ähnlich wie bei Popcorn Time oder Porn Time, Dritten zum Download anbietet, handelt es sich um eine Urheberrechtsverletzung. Eine Ausnahme läge nur dann vor, wenn der TV-Sender dem Nutzer die Senderechte (§ 20 UrhG) bzw. das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung (§19a UrhG) eingeräumt hat. Dies müsste im Falle eines Prozesses der Nutzer beweisen.

Von einer Userin wurden wir gefragt:

„Ich würde gerne wissen, ob es abmahnfähig ist, wenn man auf schoener-fernsehen.com dem P2P zustimmt und darüber Sendungen anschaut“

Die Antwort lautet: JA. Es besteht eine Abmahngefahr. Bisher sind uns noch keine Abmahnungen bekannt, die die Nutzung von schoener-fernsehen.com betreffen.

Kann man als schoener-fernsehen.com Nutzer überhaupt ermittelt werden?

Lars Sobiraj von tarnkappe.info sieht darin kein Problem:

„Technisch wäre es kein Problem, sich in die P2P-Transfers einzuklinken, um die IP-Adressen der anderen Zuschauer herauszufinden. Anders als mit einem modifizierten BitTorrent-Client funktioniert die Erhebung der Anschlussinhaber zwecks Versendung von Abmahnungen sonst auch nicht.“  

Bei schoener-fernsehen.com handelt sich nicht um eine Seite bzw. App, die auf reines Streaming setzt. Daher muss hier auch nicht die Frage geklärt werden, ob das Anschauen von Streams aus illegalen Quellen wie bei kinox.to, movie4k.to oder kkiste.to legal ist.

Der im Hintergrund stattfindende Upload ist das rechtliche Problem, so dass sich der Nutzer auch nicht auf das Recht auf Privatkopie § 53 UrhG stützen kann.

Fazit:

Wer komplett risikofrei TV-Sendungen genießen will, sollte auf die Nutzung von schoener-fernsehen.com verzichten.

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Kommentar

  1. Was ich gelinde gesagt zum kotzen finde: ARD hat mehr Budget als Hollywood zusammen (!) und dennoch werden eigene Filme oftmals nicht per Stream übertragen. Manche 20.15 Uhr Filme werden aus rechtlichen Gründen einfach nicht bei ARD gezeigt, obwohl sie zeitgleich im TV laufen.
    Wenn man aber keinen TV hat, wird man de facto ausgesperrt und in die Kriminalität gezwungen.

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