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Ex-GZSZ-Star Sila Sahin erleidet derzeit einen Shitstorm, wegen eines Kopftuch-Fotos, das sie auf Instagram und Facebook postete – Kopf mit Kopftuch.

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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
Outlaw: draußen unterwegs, drinnen Anwalt
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Sila Sahin postete das Foto direkt vom Set. Einige Zeitgenossen haben dies übersehen oder wollten dies wohl übersehen. Es brach ein Shitstorm aus, auch oder weil sie sich vor einiger Zeit mal im Playboy ablichten lies. Problematisch als Deutsch-Türkin, wie sich nun zeigt.

Das Shitstorm-Opfer übt nun Kritik an der Gesellschaft bzw. am Rechtssystem:

„Das Schlimme am Internet ist, dass man sich anonym und auch teilweise aggressiv oder beleidigend auslassen kann, dass es keine beschützende oder reglementierende Instanz gibt. Ich glaube nicht, dass mir das jemand so ins Gesicht sagen würde“

Diese Kritik erfolgt völlig zu Recht!

Täglich sind wir Zeugen von verbalen Ausschreitungen, die in anonymisierter Form ausgesprochen werden. Problem: Zu Straftaten kommt es eher selten, wohl aber zu massiven Persönlichkeitsrechtsverletzungen. Und diese Persönlichkeitsrechtsverletzungen lassen sich nicht verfolgen, wenn keine Straftat vorliegt. Die Opfer kommen nicht an die Daten der Täter.

Das ist nicht haltbar und muss geändert werden.

Wir brauchen einen zivilrechtlichen Auskunftsanspruch für Persönlichkeitsrechtsverletzungen. tweet

Liegt eine Persönlichkeitsrechtsverletzung vor, dann muss es dem Opfer über eine gerichtliche Anordnung möglich sein,  den Portalbetreiber, Dienstenabieter oder Internetdienstleister zur Herausgabe der Adressdaten des Täters zu zwingen.

Natürlich werden technisch versierte Trolle und Dolle in der Lage sein, sich ständig neue Accounts zu schaffen, um ihre Identitäten zu verschleiern. ABER: In vielen Fällen wird dies dazu führen, dass die Täter haftbar gemacht werden können. Dies zeigt die Erfahrung, wenn wir gegen Täter vorgehen, die sich strafbar gemacht haben. In den meisten Fällen nutzen die Täter eben keine gefakten Accounts, sondern lediglich ein Pseudonym.

Es kann daher nicht angehen, dass die Opfer eines Shitstorms rechtsschutzlos bleiben nur weil keine Straftat vorliegt. tweet

Die Anonymität im Netz bleibt gewahrt. Nur wer sich daneben benimmt und geltendes Recht verletzt, der verdient eben keinen Schutz.

Waffengleichheit nenne ich das.

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Kommentar

    • Ja. Das wäre eine Überlegung. Leider sind auch immer mehr Menschen von einem Shitstorm betroffen, die nicht zu den klassischen Internetusern gehören. Der Shitstorm wird dabei oft von der analogen Welt ins Internet verlagert.

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