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Alle (Blinde, Alte, Kinder…) außer Olaf sind schuld – Verteidigung in Wild-West-Manier

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olaf_tankDie Berliner Kanzlei Dr. Schmitz und Partner verteidigen den zu zweifelhaften Ruhm gekommenen Inkasso-Anwalt Olaf Tank, der immer wieder im Zusammenhang mit den sogenannten Abofallen aufgetaucht ist. Noch vor wenigen Tagen begrüßten seine Verteidiger die Zulassung der Anklagen vor den Landgerichten in Darmstadt und Landshut, um endlich mal nachweisen zu können, dass ihr Mandant ein Unschuldslamm ist. Die Masse, damit sind alle Normalbürger, Blinde, Kinder, Arme, etc. gemeint, ist selbst schuld, dass sie durch Blindheit, Dummheit oder einfach Unaufmerksamkeit ein Abo abgeschlossen hat. Weiter wird von seinen Verteidigern ausgeführt, es mag vielleicht nicht ganz integer sein, was Olaf Tank – „das Arschloch der Nation“ getan habe, aber auf keinen Fall rechtswidrig.

Hier habe ich meine starken Zweifel. Ich kenne die Akten der Staatsanwaltschaft nicht, aber wir haben auch schon mehrere Dutzend Betroffene gegen das Inaksso-Gebaren des Herrn Tank verteidigt. In allen Fällen, hat der Kollege umgehend seine Forderung zurückgezogen. Da fragt man sich schon, warum, wenn doch alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Aus reinem Mitleid oder Liebe zum Menschen wird er es nicht getan haben. Ich würde gerne mal wissen, ob er in diesen Fällen seinen Mandanten seine Dienstleistung in Rechnung gestellt hat. Ich kann es mir nicht vorstellen, da das Geschäftsmodell der „Abofallen“ sicherlich auf eine Win-Win Strategie zwischen Inkasso-Anwalt und den Seitenbetreibern beruht.

Im Zusammenhang mit den Abofallen tauchen immer wieder Fälle von Betroffenen auf, die noch nicht einmal ausversehen oder aus bloßer „Dummheit“ ein solches Abo abgeschlossen und trotzdem eine Rechnung erhalten haben. Vielleicht liegen den Staatsanwaltschaften Darmstadt und Landshut in dieser Richtung mehrere Nachweise vor. Wir werden es sehen.

Die Form der Verteidigung erinnert an einen Satz des Reporters Marcel Reif aus dem Fußballspiel Dortmund gegen Bayern (11.04.2012), als dieser in der ersten Halbzeit die Behauptung aufstellte, dass die Angriffe der Bayern nur der eigenen Schadensbegrenzung dienen. Es wird einfach auf alles geschossen, was der Verteidigung vor die Flinte kommt. Es handele sich um eine Hetzjagd des (Internet-) Mobs und der Monotonpresse. In die Staatsanwaltschaften Darmstadt und Landshut sei der Teufel gefahren. Zwei Postings vorher wurde die Zulassung der beiden Verfahren noch gefeiert.

Ob man dadurch Sympathien für den Angeklagten gewinnt, ist stark zu bezweifeln. Klassisches Reputationsmanagement sieht anders aus.