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Hello Barbie – oh Hallo Jaqueline – ich bin so einsam! Kaufst du mir einen Ken? Solche Gespräche kann die neue Mattel Puppe „Hello Barbie“ bald führen, aufzeichnen und in Echtzeit an Cloud-Server übermitteln.

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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Die Barbie-Puppen waren mir schon als Kind unheimlich, dieser kalte starre Blick. Diese Angst hat sich gelegt, da sich herausstellte, dass die Puppen nichts weiter als geschlechtslose Plastiken sind. Nun belehrt sie mich eines Besseren. SIE ist gefährlicher als ich es mir jemals hätte erträumen lassen, dieses Püpplein. Sie hat dazugelernt. Kann jetzt sprechen, zuhören und alles weitersagen, was die halben-Meter-Erdenbürger ihr anvertrauen. Ein WLAN-Chip macht es möglich, so WIRED.

Die Gespräche mit der Hello-Barbie Puppe sollen aufgezeichnet und in Echtzeit an einen Cloud-Server übertragen werden. Man wolle die Daten nicht missbrauchen, so Mattel. Noooooooooooooooin.

Switch ins Kinderzimmer:

Jaqueline und Hello Barbie (HB) spielen miteinander. HB sagt: „Mir ist langweilig und ich bin böse mit dir!“ „Warum?“, fragt Jaqueline. „Mir fehlt mein Freund Ken. Wenn ich einen Ken bekomme, dann hab ich dich auch wieder lieb…“

Szenenwechsel – Switch ins Wohnzimmer:

HB liegt in der Ecke, die Lauscher sind jedoch gespitzt. Eltern unterhalten sich darüber, was man Jaqueline zum Geburtstag schenken kann. Auf dem Smartphone von Papa Manni blinkt eine Mattel-Werbung auf…

Die Missbrauchsgefahr liegt auf der Hand. Mattel gelangt auf diese Art und Weise über die unbedarften Kindermünder an alle Informationen, die für eigene Marketingzwecke notwendig sind, um den Plastikverkauf weiter anzukurbeln.

Wann kommt die Lauschpuppe nach Deutschland?

Gar nicht!

Wie. Warum?

Onkel Datenschutz ist schuld!

Mattel teilt mit, dass die Deutschen zu kritisch seien in Sachen Datenschutz und im Umgang mit Social-Media-Themen. In den USA sei das anders.

 

Die Puppe hätte in Deutschland aus Gründen des Datenschutzes keine Chance auf den Markt zu kommen.  tweet

 

Mattel müsste offenlegen, welche Daten, wo und wie lange gespeichert werden und wer alles Zugriff auf die Daten hat und was mit den Daten geschieht. Viel zu umständlich. Viel zu kontrollierbar. Will Mattel nicht. Wer lässt sich schon gerne kontrollieren?

 

Zudem könnte der Barbie-Lauschangriff von Mitbewerbern angegriffen werden, da die Barbie-Puppe gegen geltendes Wettbewerbsrecht verstoßen dürfte. tweet

 

Matell könnte auch massive Probleme von konkurrierenden Spielzeugherstellern in Deutschland bekommen.

Nicht erlaubt ist es Spielzeugherstellern nämlich, geschäftliche Handlungen vorzunehmen, die geeignet sind, die geschäftliche Unerfahrenheit oder die Leichtgläubigkeit von Verbrauchern auszunutzen. Genau das macht Matell mit der Lausch-Barbie.

Und mal ganz unter uns, wo ist den der Mehrwert einer sprechenden Barbie? Amazon Echo (Alexa) beantwortet einem wenigsten noch die meisten Fragen. Da kann man noch Datenschutz gegen Nutzwert abwägen, bei einer sprechenden Barbie gibt es nichts abzuwägen.

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Kommentar

  1. Also DAS ist mal wirklich beängstigend. Und genial. Aber wohl mehr beängstigend. Ich fand schon das in die Fernbedienung eingebaute Mikrofon des Amazon Fire TV ziemlich dreist. Mit Anbindung an die Cloud. Selbstverständlich nur zum Zwecke um die Sprachkommandos des Benutzers entgegen zu nehmen. Und das Gerät hat ja keinen Ausschalter oder einen entsprechenden Menüpunkt. Ein flaues Gefühl bleibt. Ganz ähnlich wie bei der neuen Xbox One, deren Video- und Audiosensor ununterbrochen auf den Benutzer bzw. das ganze Wohnzimmer gerichtet ist. Aber sich jetzt auch noch mit solchen perfiden Mitteln in die Kinderzimmer zu drängen, das lässt mich langsam wirklich an der Menschheit zweifeln…

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