in Ansichten eines Anwalts

Die Tage habe ich mit einem großen Unternehmen telefoniert. Es ging um schlechte Bewertungen auf dem Arbeitgeberportal kununu. Dabei erzählte mir die Managerin, dass auf oberster Ebene die Frage gestellt worden sei, wen denn diese Bewertungen interessieren würden. Mich!

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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Wie sehr uns Bewertungen manipulieren zeigt folgende Geschichte:

Letzte Woche habe ich ein Gespräch mit der Mitarbeiterin eines großen Unternehmens geführt. Beklagt wurde die Zunahme negativer Bewertungen auf dem Arbeitgeberbewertungsportal kununu. Die Mitarbeiterin sah und sieht in den Einträgen, die man dort lesen kann, eine Rufschädigung ihres Arbeitgebers. Pflichtbewusst hat sie dieses Problem der Vorstandsebene mitgeteilt. Aufgenommen wurden „diese Bewertungen“ als Tagesordnungspunkt in der Vorstandssitzung. Man will jetzt gar gegen diese Bewertungen vorgehen. „Doch gestatten Sie mir eine Frage, liebe Mitarbeiterin, wen interessieren denn diese Bewertungen?“ fragte einer der Bosse, der weit vor dem Internet geboren wurde. Es fehlt der Bezug zu diesem „Internetphänomen“.

Dieser Fall zeigt, dass Bewertungen noch nicht auf allen Ebenen der Unternehmen wahrgenommen werden. Zu klein sind diese Einträge. Scheinbar. Das Leben zeichnet ein anderes Bild.

Beispiel: Ich

Ich bin mittlerweile ein Sklave der Rezensionen und Bewertungen im Internet. Bevor ich Katzenfutter kaufe, schaue ich mir die Renzensionen an. Bevor das Trampolin bestellt wird, müssen die Bewertungen herhalten. Dabei könnte ich mir manchmal dermaßen in den Hintern beißen. Top-Produkt, laut objektiver Testberichte. Super Preis, laut PreisvergleichscheckXY24.

ABER, ABER, ABER:

Der HansGerd aus Untermühlenbach schreibt, dass der Akku bereits nach zwei (2) Stunden keinen Saft mehr hat. Dann kann ich es nicht kaufen. Schei….! Der subjektive Eindruck zählt. Nicht meiner. Der des HansGerd! Und das ist fatal!!! Ich beraube mich selbst der Möglichkeit einer objektiven Einschätzung. Fuck!

Wir waren letzte Woche beim Italiener um die Ecke. Es war alles super. Toller Abend. Heute der Schock: Das soll ein ekelhafter Laden sein, laut einer Internetbewertung. Und noch zwei, drei Bewertungen attestieren mir, dass ich dort besser nicht hingegangen wäre?! Auch du meine Güte. Das wusste ich ja noch gar nicht.

Das Schlimme daran: Es gibt mehr von meiner Sorte. Menschen, die sich von Bewertungen manipulieren lassen. Das ist traurig und ich arbeite daran. An mir selbst. Es wird allerdings immer schwieriger, die Bewertungen zu übersehen. Vielleicht muss ich mir demnächst eine „Anti-Bewertungsbrille“ aufsetzen, wenn ich nach dem Anfahrtsweg zum Italiener suche. Ich will zurück – zu meinem Verstand.

Muss mich wohl neu motivieren und orientieren.

Bis dahin empfehle ich Unternehmen und Dienstleistern: Bitte verzeiht mir. Ich gelobe Besserung.

Fazit:

Bewertungen interessieren. Besserung in Sicht?!

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Kommentar

  1. Ich achte mittlerweile nur noch auf die Tendenz der Bewertungen. 90% positiv? -> Dann muss das Produkt gut sein.

    Und bei Kununu muss man ja den Eindruck haben, dass nur die bewerten, die tatsächlich unglücklich sind. Und ich will nicht wissen, wieviele selbst für Ihr Unglück verantwortlich sind, z.B. weil sie frech, faul, dumm oder sonstwas waren. Die Glücklichen (das gilt auch für Foren oder andere Bewertungsportale) tun es selten kund.

  2. Einerseits ist das eine tolle Sache, dass man heute fast überall zu Produkten, Dienstleistungen und Arbeitgebern auch Bewertungen abgeben und einsehen kann. Das birgt andererseits aber auch die Gefahr der Manipulation. Mein Vorkommentator hat schon das richtige Stichwort gesagt: Die Tendenz ist ein guter Ansatz. Leider genügt das aber in manchen Fällen nicht.

    Thema Produktbewertungen: Ich bin zugegeben ein großer Amazon-Junkie, und die Kundenrezensionen gehören für mich als Kaufkriterium dazu. Mittlerweile habe ich ein gutes Auge für „echte“ Produktbewertungen und solche die augenscheinlich entweder gekauft sind oder von einem frustrierten Kunden stammen, der das Produkt nicht wirklich umfassend und sachlich bewertet sondern nur seinen Frust ablässt. Die ehrlichsten Rezensionen findet man übrigens angeblich bei den 3-Sterne-Bewertungen. Ich verlasse mich häufig trotzdem nicht nur allein auf die Meinung anderer Privatpersonen, sondern hole mir wenn möglich noch objektivere Bewertungen ein. Bei technischen Geräten wie z.B. TV, Computer, Smartphones, etc. schaue ich nach Produkttestberichten auf anderen Websites wie Online-Magazinen, die nach Möglichkeit unabhängig berichten. Bei Pflegeprodukten oder Nahrungsergänzungsmitteln kann man sich auf verschiedenen Websites zu den Inhaltsstoffen und in studienbasierten Auswertungen schlau machen.

    Thema Arbeitgeberbewertungen: Gerade im Fall kununu habe ich es selbst miterlebt, wie anfällig das System gegenüber Manipulation ist. Und zwar in beide Richtungen. Viele enttäuschte ehemalige Mitarbeiter? Der Ruf der Firma in Gefahr? Kein Problem! Denn die Accounts bzw. Benutzer müssen sich keiner Identitätsfeststellung wie PostIdent unterziehen. Das führt mitunter zu bunten Firmenprofilen, bei denen die eine Hälfte kritisch berichtet und die andere Hälfte mit überschwänglichen Lobpreisungen um sich wirft. Für mich war in diesem Moment klar, dass kununu mir keine zuverlässige Auskunft über einen zukünftigen, potentiellen neuen Arbeitgeber geben kann.

  3. Lese dir solche Bewertungen am besten gar nicht erst durch, der „Hang“ zur Negativ-Abgabe (z.B. anstelle einer Reklamation, Selbstfrust, Dampfablasse oder einfach-nur`n-schlechten-Tag-gehabt-und -lass-die-Wut-woanders-aus-Leute) wird immer größer.

    Auf bestimmten Internetplattformen, wie das „orangefarbende lächelnde A“ sind „das Gegenteil“ (Hochlobgehuddelte Produkttesterrezensionen) verboten worden.
    Nun kann man davon ausgehen, dass bei sehr vielen Produkten immer mehr Rezensionen,bezw. Bewertungen nach unten schnellen, denn die Konkurrenz darf ja weiter kaufen und Konkurrenzprodukte aus fadenscheinigen Gründen mit ein Stern bewerten, da ist auch keine Lüge zu schade für.

    Und denk mal nicht die Plattform löscht das – NEVER!
    Noch nicht mal Bewertungen wie „die gekaufte Mikrowelle ist der letzte Scheißdreck, denn mein Essen schmeckt gar nicht“
    würde gelöscht werden.

    Man kann davon ausgehen, dass es mit Rezensionen für Restaurants, Hotels, Reiseveranstalter das gleiche ist : negative Rezensionen und Bewertungen kommen meistens von der Konkurrenz oder Leuten die aus persönlichen Problemen Spaß am Dissen haben

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