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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass die seltsame Rasse der juristischen Doktoren vom Aussterben bedroht sei. In einem aktuellen Fall bekommt ein Vertreter der Spezies jetzt Artenschutz der ganz besonderen (üblen) Art:

Normalerweise kostet es den Doktortitel, wenn nachgewiesen wird, dass wesentliche Teile einer Doktorarbeit aus fremden Quellen stammen und nicht den Gepflogenheiten entsprechend als Zitate gekennzeichnet wurden, wenn man sich nicht geschickt zur Wehr zu setzen weiß.  Prof. Dr. Detlev Dähnert steht nun im Fokus der Öffentlichkeit.Dähnert Plagiat Vattenfall

Mit einer Arbeit, welche den Titel „Bewältigung technischer und sozialer Probleme bei der Konzeption von Umsiedlungen“ trug, promovierte der Vattenfall-Prokurist 1999 an der Fakultät für Umweltwissenschaften und Verfahrenstechnik der BTU Cottbus. Außerdem wurde er 2005 zum Honorarprofessor der Hochschule ernannt. Seitdem durfte er Vorlesungen halten und wurde Mitglied der Berufungskommission im Fachbereich Informatik/ Elektrotechnik/ Maschinenbau.

In großen Teilen abgekupfert?

Im vergangenen Sommer, trübte sich der bis dahin blaue Karriere-Himmel dann für den Honorarprofessor Dähnert ein: Es wurden Vorwürfe laut, nicht unwesentliche Teile seiner Doktorarbeit seien von ihm abgeschrieben  und nicht als Zitate gekennzeichnet worden. Diese Information wurde auch dem Plagiatsjägerportal VroniPlag zugespielt, dort aber zunächst nicht weiter verfolgt. Erst als die Umweltgruppe Cottbus die Vorwürde gegen den Energie-Manager konkretisierte, wurde genauer nachgesehen und festgestellt, dass die Doktorarbeit Dähnerts tatsächlich in weiten Teilen offenbar abgeschrieben worden war.

Insgesamt fand man bis zum November 2012 angeblich auf 44% der Seiten der Doktorarbeit des Prof. Dr. Dähnert Stellen, die aus fremden Quellen stammen sollen, jedoch nicht entsprechend gekennzeichnet worden seien.

Unverständliche Entscheidung?

Beim Vorliegen von nachweislich plagiierten Stellen führt normalerweise kein Weg am Entzug des Doktortitels vorbei, wenn es sich um einen Großteil der Arbeit handelt. Nicht so bei Prof. Dr. Dähnert? Er darf seinen Titel behalten und darüber hinaus behält die Überprüfungskommission die für viele Fachleute unverständlichen Gründe der Entscheidung für sich. Die BTU ließ lediglich verlauten, dass es sich bei den gerügten Stellen nur um handwerkliche Schwächen, nicht aber um Plagiate handele.

Fazit: es stinkt gewaltig, das Ganze! Oder doch nicht, wenn man die Brille des Juristen aufsetzt? Fakt ist jedenfalls auch, dass Plagiatsverfahren nach einem strengen und für versierte Juristen überprüfbaren und damit auch angreifbaren Muster ablaufen. So kann es durchaus vorkommen, dass die Prüfungskommission am Ende keine andere Wahl hat, als den Doktortitel zu bestätigen, anstatt den Titel zu entziehen, wenn denn die richtigen juristischen Mittel eingesetzt werden.

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