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50 Urheberrechtsverstöße pro Sekunde – das bekommt selbst der beste Filesharer nicht hin – YouNow macht`s möglich! ABER: Niemanden interessiert’s – bisher!

 

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Karsten Gulden

Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht bei gulden röttger | rechtsanwälte
"der gute Ruf za(e)hlt"
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Wir berichteten bereits ausführlich über die Live-Streaming Plattform YouNow. Die Teilnehmer sind größtenteils Kinder oder Jugendliche. Aber es gibt auch ein paar alte Säcke, die sich dort niedergelassen haben. Einer davon bin ich. Ohne Anmeldung bekommt man ja keine umfassenden Einblicke in die Plattform. Daher habe ich mich vor zwei Wochen dort angemeldet, um das Geschehen auf YouNow einmal näher zu betrachten. Ja, es wird dort alles ausgebreitet. Die Kinder wissen es eben nicht besser.

So viel Neues von gestern.

Nun aber zu unserem alltäglichen Brot: den Urheberrechtsverletzungen.

YouNow ist geradezu ein Süßwasserquell von Rechtsverletzungen. Der Klassiker: Aktuelle Chart-Musik, die im Hintergrund läuft oder vorgeführt wird. Ja. Geht technisch, aber nicht rechtlich. Ich weiß, die Kleinen wollen ja nichts Böses. Sie richten vermeintlich auch keinen Schaden an. Das wird die GEMA möglicherweise anders sehen.

Bereits in grauer Vorzeit habe ich davor gewarnt:

 

„All diejenigen, die auf YouNow Musik im Hintergrund laufen lassen, müssen sich bewusst sein, dass sie sehr wahrscheinlich GEMA Gebühren leisten müssen, wenn die Musik von GEMA-Künstler stammt. Das ist in den meisten deutschen Streams der Fall.  Hintergrundmusik, die öffentlich über das Internet gestreamt wird, ist vergütungspflichtig. Es ändert auch nichts daran, dass man dies als Privatperson macht und keine Umsätze mit YouNow erzielt. Die Nutzung von GEMA-Repertoires – das ist der Großteil der Charts-Musik – muss bei der GEMA angemeldet werden. Das kann teuer werden.“     tweet

 

Auch unsere Freunde von mimikama, dem Verein gegen Internetmissbrauch, haben Aufklärung betrieben. Aber das scheint vollends an den YouNowern vorbeizugehen. Sprechen wir also die Eltern an.

Schaut mal ab und an in die Zimmer eurer Kinder! Auch mal auf den PC, das Smartphone oder Tablet. Es lohnt sich. Nein! Nicht ausspionieren. Elterliche Fürsorgepflicht nennt man das.

Lass die Kinder doch!

Nein! Liebe Eltern. Das hält der beste Geldbeutel nicht aus, wenn dort mal scharf geschossen wird.

Gestern Abend bspw. habe ich mir die deutschen Accounts einmal näher angeschaut. In neun von 10 Live-Streams wurden aktuelle Hits gestreamt. Einer hat sogar einen Hollywood-Film über seinen Fernseher gestreamt (Kamera auf TV gerichtet – er war gar nicht zu sehen). Alles live abrufbar. Rund 50 deutsche Accounts habe ich gezählt, die allesamt zur gleichen Zeit gegen geltendes Urheberrecht verstoßen haben. Halleluja.

 

Glasklare Urheberrechtsverstöße! tweet

 

Aber nicht nur Kinder sind unter den hippen Streamern. Nein. Auch 41-jährige Kinder habe ich gefunden. Ein Exemplar aus Osnabrück – sagt er zumindest. Auch er lies seine Hits im Hintergrund laufen. Gut dachte ich, chattest ihn mal an, als Medienanwalt. Habe ihn dann gefragt, ob er die Mucke bei der GEMA angemeldet hätte. „Öh, was? Was will der – Medienanwalt?! Der will bestimmt Geld von mir?!“ Und schwups, wurde ich geblockt und seine Welt war wieder in Ordnung. Hilfsbedürftigkeit wo man nur hinschaut. Aber wer soll das alles bezahlen, wenn die Rechteinhaber anrücken? Die Sofa-Stream-Dreamers haben entweder noch kein Geld oder keines mehr, wenn ich mir die 18 + Streamer so anschaue.

Also Eltern, ihr habt es möglicherweise noch in der Hand. Schützt eure Kinder, eure Ersparnisse. Klärt eure Kinder auf. Die sollen auch streamen, aber bitte nicht das eigene Haus von innen, auch nicht die Schwester. Hund und Katze ja, wenn`s sein muss die Maus. Schluss. aus.

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Kommentar

  1. Aufklären ja, Konsequenzen aufzeigen ja, aber Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre, dazu gehört auch, dass der PC, der Online Account, das Tagebuch oder das Handy nicht von Eltern durchforstet wird. Wenn Eltern eine gute Beziehung zu ihren Kindern haben und sie vernünftig erziehen/erzogen haben, würde es solche Problematiken nicht so häufig geben.

    • Wie sinnig Moritz.. Ihr tretet doch eure eigene Privatsphäre mit Füssen, wenn Ihr euch auf solchen Plattformen tummelt.. Und es ist nicht nur eure eigene, sonder auch die der gesamten Familie… manchmal frage ich mich, ob unsere Jugend auch mal nachdenkt oder geht das Hirn im Selbstdarstellungswahn unter…

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