5 Antworten zu Abmahnungen wegen Filesharing – Waldorf Frommer & Co.

Droht eine Hausdurchsuchung oder ein Eintrag ins Führungszeugnis?

In der Regel NEIN! Es kommt zu keiner Hausdurchsuchung und es gibt auch keinen Eintrag in das Führungszeugnis. Die Abmahnung ist ein zivilrechtliches Verfahren und kein Strafverfahren. Strafverfahren werden in der Regel bei Filesharing nicht mehr durchgeführt.

Wie kommen die an meine Daten?

  • Antipiracy Firmen durchforsten die Tauschbörsen wie Bittorrent nach Urheberrechtsverletzungen
  • Wer Dateien oder Dateiteile bei einer Tauschbörse zum Upload freigibt, dies geschieht in den meisten Fällen unbewusst, hinterlässt Spuren (IP-Adresse)
  • Im Rahmen eines gerichtliches Auskunftsverfahren § 101 Abs. 9 UrhG wird der Provider des Abgemahnten gezwungen, die Daten des Anschlussinhaber an die abmahnende Kanzlei herauszugeben, dem zum Tatzeitpunkt die ermittelte IP-Adresse zugewiesen war

Ich habe nichts hochgeladen, sondern nur runtergeladen oder gestreamt!

Was viele Betroffene nicht bedenken oder wissen, wer über eine Tauschbörse Daten runterlädt (Download), lädt die heruntergeladenen Dateiteile direkt wieder hoch (Upload). Auch wenn der Upload auf 0 gestellt ist, werden in der Regel doch noch geringe Mengen an Dateiteile zum Download angeboten – das mach das Wesen einer Tauschbörse aus.
Achtung: Wer Popcorn Time nutzt, streamt nicht nur! Hier findet im Hintergrund auch ein Upload statt. Popcorn Time verwendet die Torrent Technologie.

Warum ist der Schadensersatz so hoch, wenn eine DVD doch nur max. 15 € kostet?

  1. Es wird nicht der Download der Datei, sondern deren Upload abgemahnt
  2. Der Schadensersatz bemisst sich daher nicht nach dem Preis eines Downloads oder DVD
  3. Zur Schadensberechnung wird eine fiktive Lizenzgebühr angesetzt. Die Höhe der fiktiven Lizenzgebühr bemisst sich danach, was der Abgemahnte bezahlen müsste, wenn er eine Lizenz für das Recht erwerben würde, die Datei im Internet über eine Tauschbörse anbieten zu können

Kann man sich gegen eine Abmahnung überhaupt wehren?

Ja, in vielen Konstellationen bestehen sehr gute Verteidigungschancen, bspw. in Mehrpersonen-Haushalte, WGs, Vermieter / Mieter, Ferienwohnungen, Arbeitsstätte, Besuch, etc. 
Einzelpersonen-Haushalte, die zum Tatzeitpunkt keinen Besuch hatten, haben es schwerer – hier kann man meist nur noch Vergleichsverhandlungen führen, wenn man es nicht auf eine Klage ankommen lassen will. Die abmahnenden Rechteinhaber können nicht jeden verklagen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass man durch das Raster fällt. Diesen Weg des Hoffens kann man nur denjenigen anraten, die starke Nerven haben. Im Laufe der Zeit wird man mit zahlreichen Drohbriefen bombardiert und dieser “Terror” kann sich locker über drei Jahre hinziehen.

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