Es ist passiert – Abmahnung wegen Vorschaubild auf Facebook – keine Panik – Artikel LESEN!

 

Update 25.03.2015

Achtung +++ Achtung +++ Achtung – die nie vorhandene Abmahnwelle ist inzwischen laut Rechtsanwalt Solmecke zusammengebrochen. Fotograf verzichtet auf seine Ansprüche – Quelle: http://beta.nzz.ch/mehr/digital/social-media-facebook-share-1.18508917 – ganz unten im Artikel.

Was war geschehen?

Die Inhaberin einer Fahrschule hat auf der bild.de Website einen Bericht über Marco Reus und seinen nicht vorhanden Führerschein mittels des Facebook-Teilen Buttons auf ihrer gewerbliche Facebook-Seite geteilt. Auf der Facebook-Seite der Fahrschule war nun ein Link zum Bild.de Bericht nebst Antext und einem Foto zu sehen, das von dem abmahnenden Fotografen angefertigt wurde. Eine Nennung des Fotografen erfolgte nicht, was eine Abmahnung zur Folge hatte. Von 500 € bis über 1.000 € Schadensersatz und Anwaltskosten wird gesprochen.

Achtung Abmahntsunami!?

Wie immer in solchen Fällen, werden auch schon direkt die ersten Abmahnwellen prognostiziert. Bevor ihr jetzt alle in Panik geratet und eure gesamte Facebook Chronik killt – ruhig Blut!

 

Wenn überhaupt, wird es nur die wenigsten treffen. 

 

Private stehen sehr wahrscheinlich nicht auf der schwarzen Liste

Bist du als Privatperson auf Facebook unterwegs, kannst du in Ruhe den Rest des Artikels lesen. Ja, theoretisch kann es auch dich treffen, theoretisch kannst du sogar dafür ins Gefängnis kommen – wenn wir schon mal bei der uferlosen Panikmache sind – die Praxis sagt bisher etwas anderes. Unternehmer und Gewerbetreibende – ja euch kann es tatsächlich treffen – ihr müsst auch weiterlesen, nur wesentlich aufmerksamer.

Immer schön die Lizenzkette zurückverfolgen! Alles klar?

Häh? – werden jetzt viele denken! Woher soll die arme Fahrschul-Dame denn wissen, dass der Fotograf dem Axel Springer Verlag nur die Rechte für die Veröffentlichung auf bild.de aber nicht für das Teilen auf Facebook oder sonstigen Social Media Plattformen eingeräumt hat? Richtig! – das kann sie und können wir gar nicht wissen. Streng genommen muss jeder Facebook User die komplette Lizenzkette zurückverfolgen, bevor er den Teilen-Button klickt. Alles klar? Ist doch lebensnah, oder?

 

Ihr habt recht, das ist total bekloppt und gerade im Bereich von Social Media nicht durchführbar.

 

Einige ältere und streng konservative Kollegen, also die, die Social Media eh nur als sinnlosen Kinderschwachsinn abtun, werden da anderer Ansicht sein.

Unterschied zwischen Link einfügen und Verwendung von Share-Button

Wer einen Link bei Facebook einfügt hat immer noch die Möglichkeit, dabei das erscheinende Vorschaubild zu entfernen und damit das Abmahnrisiko auf Null zu setzen. Wer die auf Blogs und Homepages eingebauten Sharing-Buttons, wie bspw. auf Bild.de,  verwendet, kann in der Regel aus technischen Gründen das Vorschaubild nicht entfernen. Da heißt es dann, friss oder stirb bzw. mit Bild oder gar nicht.

Tipp:

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte die eingebauten Sharing-Buttons nicht verwenden, sondern den Link kopieren, bei Facebook einfügen und das Vorschaubild entfernen.

Wenn alle Stricke reißen, Regress nehmen

Darf man denn nicht darauf vertrauen, dass gerade so große Seiten wie bild.de umfassend die Rechte für die Bilder eingeholt haben, insbesondere wenn sie auch noch eine eingebaute Teilen-Funktion anbieten? Da sage ich, ja ihr dürft darauf vertrauen und die Chancen stehen meines Erachtens im Falle einer Abmahnung sogar sehr gut, dass ihr den Betreiber der Homepage oder des Blogs sogar in Regress nehmen könnt, sofern dieser solvent ist, was bspw. Bei bild.de bzw. Axel Springer gegeben sein sollte.

Darum werden Private kaum davon betroffen sein

Private wird eine solche Abmahnung kaum treffen, schon aus rein praktischen Gründen nicht:

Unternehmen und Gewerbetreibende – Achtung bei der Verwendung zu kommerziellen Zwecken

Unternehmen und Gewerbetreibende müssen insbesondere dann vorsichtig sein, wenn sie einen solchen Link und das damit enthaltene Vorschaubild kommerziell nutzen, d.h. zu Werbezwecken. Dies wird im streitgegenständlichen Fall wahrscheinlich der Fall gewesen sein. Es handelt sich um eine Fahrschule und das Thema des bild.de Artikels war das Fahren ohne Fahrerlaubnis. Auf dem Bild war auch noch ein prominenter Fußballer abgebildet, welche ja besonders gerne als Werbefiguren verwendet werden.

Redaktionelle Nutzung

Der Fotograf muss der bild.de die Rechte zur redaktionellen Nutzung des Bildes eingeräumt haben. Jeder, der einmal auf bild.de war, weiß, dass dort in jedem Bericht die Sharing-Buttons enthalten sind. Dies war sicherlich auch dem Fotografen bekannt. Bisher ist nicht bekannt, welche Rechte der Fotograf der bild.de genau eingeräumt hat. Ich gehe aufgrund der bekannten Sharing-Buttons ähnlich wie mein Kollege Schwenke davon aus, dass der Fotograf zumindest das Teilen des Bildes dann erlaubt hat, wenn es im Rahmen einer redaktionellen Nutzung stattgefunden hat, was im vorliegenden Fall gerade nicht der Fall war. Auf gut Deutsch:

 

Ein Sonderfall, der nicht die Masse der Facebook-User betrifft. Meine Meinung!

 

Daher glaube ich auch nicht an die prophezeite Abmahnwelle. Hinzu kommt, dass seit der ersten bekannten Facebook Abmahnung aus dem Jahr 2012 regelmäßig Abmahnwellen angekündigt werden, welche sich immer wieder nur als einfache Wasserspritzer entpuppt haben. Die meisten bekannten Facebook Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen wurden gegenüber Unternehmensprofilen oder Gewerbetreibenden ausgesprochen. Ich gehe davon aus, dass das aus den oben genannten Gründen auch so bleiben wird.

Die Wahrscheinlichkeit, eine Abmahnung wegen des Teilens eines Vorschaubildes auf Facebook zu erhalten ist wesentlich geringer als ein Sechser im Lotto. Täglich werden mehrere Millionen Beiträge auf Facebook geteilt und bisher sind seit 2012 insgesamt nur eine Handvoll Abmahnungen ausgesprochen worden.

 

Es handelt sich weder um ein neues Gesetz noch um ein Urteil, sondern nur um eine einfache Abmahnung, deren genauer Inhalt nicht bekannt ist und deren Rechtmäßigkeit noch nicht einmal gerichtlich überprüft ist.

 

Mal wieder nur ein Sturm im Wasserglas…

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