Böhmermann – Langer – wer ist der Böse in der Urheberrechts-Twitter-Tragödie?

Wer das Rostock-Lichtenhagen Foto mit Hitlergruß und zugepisster Jogginghose twittert, wird vom Fotografen Martin Langer abgemahnt! 1000 €!

Langer erntete dafür einen Shitstorm.

Aber auch Böhmermann bekam sein Fett weg.

Man warf ihm vor, dass er als Medienjunkie eigentlich wissen müsse, was ungefragt getwittert werden darf und was nicht. Tut er aber offensichtlich nicht. Er ist also dahingehend genauso “doof” wie andere User auch.

Ich muss den armen Jan Böhmermann daher zunächst in Schutz nehmen. Die meisten Social Media Nutzer wissen eben nicht, was erlaubt ist und wann die Grenzen des Immaterialgüterrechts überschritten werden. Nein.

By the way:

Die mediale Anprangerung Langers, die Böhmermann in der causa initiiert hat, bietet selbstverständlich noch genug Nährboden für berechtigte Folgepost.

Fakt ist, dass aus solchen Geschehnissen – also einer Abmahnung wegen eines derartigen Tweets – kein Geschäftsmodell entstehen darf. Missbrauch muss verhindert werden, ohne jedoch das Urheberrecht aufzugeben. Das ist klar.

Böhmermann vermarktet sich auf Twitter, also muss er sich dem geltenden Recht unterwerfen, auch wenn das derzeit genauso sexy ist, wie der vollgepisste Deutschlandliebhaber auf dem Rostock-Lichtenhagen-Foto.

Das ungefragte Twittern des Rostock-Lichtenhagen-Foto stellt einen Urheberrechtsverstoß dar. Heute und auch morgen. Da wird keine Reform dieser Welt etwas daran ändern. Und das ist richtig so.

Wer bietet konkrete Lösungen?

Bisher keiner.

Auf europäischer Ebene gibt es einen offenen Fair-Use Vorschlag zum Urheberrecht, der sich in Teilen sehen lassen kann, der uns aber im angepissten Fall nicht weiter bringt. So soll die Verwendung kleiner Teile eines Werkes ebenso erlaubt sein, wie die Verwendung eines Werkes, wenn dabei ein neues Werk entsteht oder die breite Öffentlichkeit nach der Information lechzt.

Trifft alles nicht zu, auch wenn der liebe Jan 150 K Follower auf Twitter hat. Getwittert wurde das ganze Bild.

Ich höre wieder die Rufe nach der Vogelfreiheit in der Social Media Welt. Da ist was dran. Es gäbe möglicherweise keine Rechtsstreitigkeiten mehr. Der Preis dafür könnte teuer werden für die Allgemeinheit.

Wer ein urheberrechtlich geschütztes Werk vollständig und ungefragt nutzt, den sollte der Urheber auch ansprechen dürfen. Wer hindert die ganzen Jans auf dieser Welt daran, den Urheber anzufragen und um Erlaubnis zu bitten?

Der Hebel, der bei solchen Abmahnungen anzusetzen ist nennt sich Streitwertbegrenzung. 500 Euro – das dürfte in den meisten Fällen ausreichen, um den windigen Abmahnanwälten, die es ja geben soll, das Geschäft von vornherein zu vermiesen. Hierzu brauchen wir aber keine starre gesetzliche Regelung. Das kann alles über die Rechtsprechung entwickelt werden.

Wir müssen uns auch frei machen von weiteren, starren Gesetzesregelungen alà: Bild getwittert – kostet 50 Euro. Bild auf Facebook hochgeladen – kostet 48 Euro….Bullshit.

Verstöße wie der vorliegende können derzeit nur im Einzelfall angemessen und im schlimmsten Fall durch die Gerichte entschieden werden. Wir brauchen eine dynamische Rechtsprechung, die sich den Entwicklungen der medialen Welt anpasst und auch anpassen kann im Gegensatz zu den langwierigen Gesetzgebungsverfahren. Das bedeutet ein Höchstmaß an Verantwortung für die gegenwärtige Justiz und auch die Anwaltschaft. Sicherlich. Dennoch sehe ich aktuelle keine andere Möglichkeit, diesem Konflikt zu begegnen. Neue Gesetze werden uns künftig helfen müssen, um Rechtssicherheit zu erlangen. Den Königsweg habe ich auch noch nicht entdeckt.

Wie wäre es mit einer Social-Media Klausel, die den Urhebern Unterlassungsansprüche zugesteht, aber keine Kostenersattungsansprüche, wenn die Werke nur privat genutzt werden?!

Wir müssen darüber diskutieren. Zusammen und nicht gegeneinander.

Zur Ausgangsfrage:

Wer ist der Böse?

Wohl niemand und alle. Zielführend wäre es, den Diskurs künftig gemeinsam zu gestalten. Auch das bringt Follower und Aufträge.

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