Richtig?: „Die Urheber von heute jagen den falschen Feind“

Andreas Von Gunten, Gründer und Geschäftsführer von Buch & Netz, sprach diesen Satz anlässlich einer Debatte über die Zukunft des Urheberrechts in der Schweiz aus. Die scheinbare Unvereinbarkeit des Urheberrechts mit dem Internet ist folglich kein nationales Problem. Die ganze Welt zerbricht sich den Kopf über diesen Konflikt. Niemand hat eine Lösung parat.

Felix Stalder, Professor für Digitale Kultur an der Zürcher Hochschule der Künste, sagte „es sei wichtig, die Kriminalisierung von Nutzern sozialer Medien, die digitale Inhalte miteinander teilen, zu unterbinden. Ansonsten werde die nächste Generation das Urheberrecht abschaffen.“

Da könnte was dran sein. 

Ich denke aber, dass geldwerte Inhalte immer Abnehmer finden werden, die auch gewillt sind, einen angemessenen Preis zu zahlen. Auf der anderen Seite dürften auch ehrenwerte und aufrichtige Urheber kein Interesse daran haben, den „kleinen Mann“ mit Abmahnungen über den Tisch zu ziehen. Insoweit stehen sich die Protagonisten womöglich näher, als dies nach außen hin erscheinen mag.

Das Geschwür, dass es zu vörderst zu beseitigen gilt, ist der Abmahnmissbrauch. Hier suchen einige wenige schwarze Schafe gezielt nach nicht spürbaren Urheberrechtsverletzungen, mit dem Ziel der Gebührenerzielung. Weg damit!

Dieses Ansinnen ist den redlichen Urhebern fremd. Der redliche Urheber jagt meist den richtigen Feind. Regelungsbedarf besteht daher in erster Linie im Bereich der Missbrauchsfälle. Eine Pauschalkappung der Gegenstandswerte und Streitwerte benachteiligt jedenfalls die redlichen Urheber. Aber das Anti-Abzock-Gesetzesvorhaben sieht ja die Möglichkeit von Ausnahmen vor.

Alles andere findet seine Regelung über die Rechtsprechung. Ein abstraktes Gesetz zur zufriedenstellenden Einordnung des Urheberrechts ist Utopie. Es sollte darauf hingearbeitet werden, eine gefestigte Rechtsprechung zu erreichen. Diese ist aktueller als jedes Gesetz.

 

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